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Als Christóbal Colón, sprich Christoph Kolumbus, St. Maarten auf seiner zweiten Reise am 11. November 1493 entdeckte und die Insel – weil

gerade Martinstag war – nach diesem Heiligen benannte, hätte er sich nicht träumen lassen, dass sie Jahrhunderte später ein Traumziel für

Spotter sein würde. Das aber ist St. Maarten, gehören die Anflüge auf den „Princess Juliana International Airport“ (SXM) doch zu den

spektakulärsten der Welt. Einmal live zu erleben, wie die großen Jets bei der Landung nur wenige Meter über den Strand und die Leute

hinwegdonnern, war auch für uns schon seit vielen Jahren ein Traum.

 

St. Maarten ist von München aus z.B. über Paris mehrmals pro Woche mit Air France (Airbus A 340) bzw. Air Caraibes (A 330-300) oder via

Amsterdam mit der KLM (Boeing 747) zu erreichen, den jeweils aktuellen Flight-Schedule gibt es auf der Homepage der Sunset Bar

(http://www.sunsetsxm.com/index.php/home/arriving-flights). Da wir aber nicht nur fliegernarrisch, sondern mittlerweile auch noch

„schifferldamisch“ sind, reisen wir auf Kolumbus’ Spuren nach St. Maarten (und dann noch weiter bis in die Dominikanische Republik).

Wir überqueren den Atlantik auf Flughöhe null, mit nahezu 43.000 PS (31.500 kW) unter den Füßen und zum Teil bis zu 5000 Meter Wasser

unterm Kiel. Die „Mein Schiff 1“ von TUI-Cruises ist das größte deutsche Kreuzfahrtschiff, sie bietet rund 1900 Passagieren und knapp

800 Besatzungsmitgliedern Platz, ist 262,5 Meter lang und 32,2 Meter breit, hat 13 Decks, 8,5 Meter Tiefgang und zwei riesige Ruder,

jedes so groß wie das Leitwerk eines Airbus A 320.

 

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Boarding in Palma de Mallorca

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Im Hafen von Cadiz

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Unser schwimmendes Hotel im „Brülllicht“ in Las Palmas

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Von Palma de Mallorca aus sind es bis St. Maarten acht Seetage und fünf Häfen bzw. Inseln (Cadiz, Gran Canaria, Mindelo auf den Kapverden

sowie in der Karibik Dominica und Antigua).  Über das Wetter auf dem Atlantik können wir nicht klagen, obwohl es manchmal ganz schön schaukelt.

Seegang macht uns nichts aus, sorgt aber einmal für ein mulmiges Gefühl: Einige hundert Seemeilen südlich der kanarischen Inseln muss während

der Fahrt bei Seegang und ziemlicher Dünung ein verletztes Besatzungsmitglied von einem Seenot-Rettungshubschrauber mit einer Seilwinde von

Bord geholt und in eine Klinik auf Teneriffa geflogen werden. Es ist wie ein spektakulärer Bergwachteinsatz und eine Meisterleistung von Kapitän,

Schiffsbesatzung und Heli-Crew, das schaukelnde Schiff und den Hubschrauber aufeinander abzustimmen.

 

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Nach dieser Aktion nehmen wir wieder Kurs nach Mindelo auf Sao Vicente, wo wir sozusagen eine „Erstlandung“ machen. Für TUI-Cruises

ist es nämlich die Premiere auf den Kapverden.

 

Blick auf Mindelo

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Zu schnell kommt der Abschied von dieser wildromantischen Kapverdeninsel, am Abend laufen wir wieder aus, Transatlantik Kurs Karibik.
Von nun an heißt es: Go West! Der Ozean zeigt sich von seiner besten Seite, von gelegentlichen Gewittern mal abgesehen, die aber rasch
wieder vorbei sind.

 

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Und dann ist da noch eine besondere „Flugbewegung“: Mitten auf dem Atlantik taucht neben dem Schiff plötzlich ein riesiger Vogel
auf – ein Graureiher. Weiß der Geier, wo der herkommt. Er dreht ein paar Runden ums Schiff, äugt neugierig und ist wieder verschwunden.

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Nach 2110 Seemeilen und viereinhalb Tagen kommt Land in Sicht. Im Hafen von Dominicas Hauptstadt Roseau betreten wir zur Abwechslung

wieder mal festen Boden… Auf Dominica lebt übrigens der fast 80-jährige Schwede Daniel Rundstroem, der früher unter anderem Pilot bei der

„Bavaria“ in München Riem und Chefpilot des äthiopischen Kaisers Haile Selassie war und der vor einigen Jahren zusammen mit dem jungen

Cariben-Indianer Rainstar mitten im Regenwald ein Flugzeug gebaut hat. Mit dieser Kiste flogen die beiden dann zur „Sun’n’Fun“-Airshow nach

Miami. Über Daniel und das Flugzeug aus dem Regenwald gibt es den Dokumentarfilm „Celebration of Flight/Über allen Horizonten“ (Kinostart

in München war 2011), mittlerweile will Clint Eastwood die Geschichte sogar für Hollywood verfilmen.

 

Roseau

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Tags darauf dann die nächste Karibikinsel, Antigua. Dort hats laut Tourismuswerbung genau 365 Strände, für jeden Tag im Jahr einen.

 

Zwei schwimmende Hochhäuser – Mein Schiff 1 und Aida Luna

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Mittwoch, 14. November:

Um 5.30 Uhr stehen wir mit einer Tasse starken Kaffees auf dem Balkon. Die ersten Lichter von St. Maarten tauchen auf, das Schiff fährt

kerzengerade durch die im Wasser verankerten grünen und roten Positionslichter auf die Kreuzfahrtpier in Phillipsburg zu und legt noch vor

7 Uhr an. Super, wieder mal die ersten!!! Unser „Käpt’n mein Käpt’n“ aus der Schweiz ist und bleibt eine Rennsemmel. Zu unserer Freude,

aber zum Ärger nachfolgender Schiffe, die dann auf die Hafenbehörden warten müssen. Doch wer zuerst kommt, dessen Passagiere können

auch als erste das Schiff und das Hafengelände verlassen.

 

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Das Ziel der Begierde kommt endlich näher!

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Die großen Flugzeuge in St. Maarten landen zwar erst ab dem frühen Nachmittag, es ist aber wichtig, spätestens um 10 Uhr ein Taxi vom Hafen

zum Airport zu nehmen, wenn man rechtzeitig am Maho Beach sein will. Zum einen, weil die beiden großen amerikanischen Kreuzfahrtschiffe

(„Carnival Valor“ und „Ruby Princess“), die nach uns anlegen, mehrere tausend weitere Passagiere ausspucken und zum anderen, weil man

rechtzeitig die Zugbrücke an der Simpson Bay passiert haben muss. Die befindet sich auf der Zufahrtsstraße zum Flughafen und wird am

späten Vormittag für mindestens eine halbe Stunde geöffnet, um Segelbooten die Aus- und Einfahrt zu ermöglichen. Auf der Straße, auf der

ohnehin viel Verkehr herrscht, geht dann gar nichts mehr. Entweder man steht total im Stau oder muss einen großen Umweg über Marigot im

französischen Teil der Insel machen. Wegen des enormen Zeitverlustes ist nicht jeder Taxifahrer dazu bereit. Und Spottern könnte dadurch das

eine oder andere Leckerli entgehen.

 

Wir nehmen uns für die Hin- wie auch für die Rückfahrt (am Maho Beach stehen immer Taxis zum Hafen) zusammen mit einigen Leuten von

unserem Schiff ein Großraumtaxi und bezahlen für die rund 14 Kilometer lange Strecke pro Person hin und zurück 16 US-Dollar (= 12.30 €).

Fahrzeit hin rund 30 Minuten, zurück am späten Nachmittag verkehrsbedingt gut die doppelte Zeit. Beide Male eine karibische Schönheit am

Steuer, so bequem und luxuriös wie hier sind wir im ganzen Urlaub nicht gefahren... Je näher wir dem Flughafenstrand kommen, umso größer

die Erwartung. Wie wird er aussehen? Gibt’s überhaupt noch Sand? Im September hatten wir im Internet Fotos entdeckt von Hurrican-Schäden

auf St. Maarten. Maho Beach bestand damals nur noch aus Steinen und Felsen. Am Flughafen vorbei, der letzte Kreisverkehr vor dem

Strand – und der Blick fällt auf türkisfarbenes Wasser und goldgelben Sand, Liegen und Sonnenschirme. Auf St. Maarten ist man sich der

Bedeutung dieses Strands für Touristen durchaus bewusst, deshalb wird weggespülter Sand immer wieder aufgeschüttet.

Fliegerfan, was willst du mehr?

 

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Uns zieht’s als erstes zur Sunset Beach Bar. Auf dem legendären Surfbrett notiert sind aber nur die Ankunftszeiten der großen Jets, für all die

kleinen Inselhüpfer und die Frachtflieger fehlt einfach der Platz. An anderen Tagen ist zwar wesentlich mehr los als an diesem Mittwoch, aber

wie sagt Klaus so schön? „I nimm wos kimmt, i ko ois braucha!“

 

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Dass wir schon am Vormittag am Strand sind, hat einen weiteren Vorteil: In der Beach Bar bekommen wir den besten Platz. Ein

Tresentisch direkt an der Brüstung mit Ablagemöglichkeit für die Kameras und freiem Blick auf den Strand, dazu roh gezimmerte,

aber nicht unbequeme Barhocker. Das Ganze überspannt von einem riesigen Schirm. Der schützt uns und das in Eimern servierte

eiskalte „Carib“-Bier (6 Flaschen 15 US-Dollar) nicht nur vor Sonne und Hitze (knapp 30 Grad im Schatten bei relativ hoher Luftfeuchtigkeit),

sondern auch vor zwei schnell wieder abziehenden Regenschauern. Wir haben ja Albert schwer in Verdacht, dass er für letztere

verantwortlich war... Vor unserer Abreise hat er nämlich gegrummelt: „Renga sois in St. Maarten, wenn i ned dabei bin!“

 

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Aber die karibische Sonne läßt die grauen Wolken rasch verdunsten, und so steht dem Spottervergnügen nix mehr im Weg!


Insel Air MD-83 PJ-MDB aus Curacao

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BVI Airways Jetstream 31 N487UE aus Dominica

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Winair mit Twin Otter, die meistgesehenen Inselhüpfer…

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Ameriflight Fairchild SA-227AT Expediter N246DH

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St. Barth Commuter mit Cessna Grand Caravan

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Liat Dash8-300, kommt auch mehrmals am Tag

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Caribbean Airlines B 737-800 nach Bridgetown / Barbados

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Für musikalische Unterhaltung ist auch gesorgt…Hey Mon, no Problem!

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US Airways mit A 319 aus Charlotte

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AF mit A 340-300 F-GLZO aus CDG, leider viel zu hoch…

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Neuzugang bei Winair, DHC-6 mit Seabird Airlines-Restbemalung, ex C-FAKB

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American kommt diesmal mit B 737-800 aus Miami

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Air Sunshine Cessna 402C

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Jet Blue EMB-190 aus San Juan / Puerto Rico

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Ex American Eagle Shorts 360, jetzt als Inselfrachter bei Sky Way

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DHL ist überall, so auch hier in Gestalt von Cessna Grand Caravan

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So ein Tag am Maho Beach ist Unterhaltung pur. Nicht nur wegen der Flugzeuge, die mal höher, mal tiefer über den Strand reinkommen und

bei deren Anflug die Leute fotografieren, was die Speicherkarte hergibt oder die Hände nach oben reißen und winken. Sondern auch wegen

der Gspinnerten, die sich in den Jetblast der startenden Maschinen stellen nach dem Motto „schaun mer mal, wie lang’ ich’s aushalt’“. Es

geht sehr schnell, dann kullern die einen durch den aufgewirbelten Sand ins Wasser, andere versuchen zu retten, was von ihren

davongeblasenen Taschen und Badeutensilien noch zu retten ist. Während die amerikanischen Maschinen beim Abflug ohne anzuhalten

vom Taxiway auf die Runway einbiegen und einen „sanften“ Start hinlegen, ist bei karibischen Airlines das Gegenteil der Fall. Stehenbleiben,

voller Schub, voller Jetblast – und erst dann die Bremsen gelöst. Heidewitzka, man weiß schließlich, was man den Verrückten am Strand

schuldig ist...

 

Dutch Antilles Express Fokker 100 beim „anblasen“…

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Mehrfach hat es in der Vergangenheit am Maho Beach schwere Unfälle gegeben, weil sich durchgeknallte Typen an den Flughafenzaun

hängten und dann vom Jetblast weggerissen und gegen die Betonabgrenzung der Straße geschleudert wurden. Der im mittleren Teil

abgesenkte Zaun ist jetzt mehrfach mit Stacheldraht gesichert, wir haben zumindest nicht gesehen, dass noch einer versucht hat, sich

dort festzuhalten. Ein Tipp noch zum Fotografieren: Gegenüber der Beach Bar gibt es im Maschendraht eine kleine aufgeweitete Stelle,

durch die sich die Flugzeuge beim lineup hervorragend „erlegen“ lassen.


Grupo Safra BBJ PR-BBS

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Anguilla Air Services trudelt mit BN-2 Islander ein

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 A 319 beim lineup, durch die beschriebene Stelle am Zaun aufgenommen.

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Fotomotive gibt es zuhauf – auch wenn gerade Pause ist beim Anflug. Der Strand fällt steil ab, die Wellen sind nicht ohne; manche(r)

Badende wird beim Versuch, wieder aus dem Wasser zu kommen zurückgezogen und von der Brandung mehrfach „geschüttelt und gerührt“!

 

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Und mal gut gebräunt, mal mit stärkstem Sonnenbrand probiert so manche vermeintliche Strandschönheit aus, ob die Sunset-Bar hält, was

ihr Werbeplakat verspricht: „Women topless: free drink“ – nicht immer ein schöner Anblick. Für die Herren der Schöpfung dagegen gilt: „Men

topless: no service“...

 

Unsere Reise über den großen Teich geht in La Romana in der Dominikanischen Republik zu Ende. Am dortigen Hafen erledigt übrigens die

Swissport die Abfertigung am Schiff und den Koffertransport mit landestypischer Gelassenheit…

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Der Rückflug nach München erfolgt vom „La Romana-Casa de Campo International Airport (LRM)“ aus, über den überwiegend Kreuzfahrt- und

Urlaubsflüge (USA, Canada, Europa) abgewickelt werden. Ein kleiner Flughafen mit offenem Check-in-Bereich, von dessen Raucherterrasse

aus sich die Jets sowohl auf einigen Parkpositionen wie auch auf der Runway bestens ablichten lassen.

 

Terminal in LRM

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Die erwähnte Raucher- und Spotterterrasse

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Westjet B 737-700 nach Toronto

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American Eagle mit EMB-135 nach Miami

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Condor und Air Berlin nach DUS

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Wir hatten uns für den Nachtflug zurück nach München Business-Class geleistet, Air Berlin, Airbus A 330-200, im Vollcharter für Tui-Cruises.
Und was erwartet uns? D-ALPA, die älteste Krücke aus LTU-Zeiten und in Airline-Kreisen respektlos „Mallorca-Flietscherl“ genannt, das

angeblich nur noch auf Mittelstrecke eingesetzt und mit Sicherheit nicht mehr umgerüstet werde. Klaus war mit just dieser Maschine wenige

Monate zuvor nach Palma geflogen – von vorn bis hinten enge Economy-Bestuhlung. Und hatte D-ALPA im Sommer auf dem Flughafen in

Zürich nicht auch „Feindberührung“? Die Überraschung: Auch dieser 330er hat mittlerweile Business-Class, was aber nichts über die Qualität

der Sitze aussagt. Die Fußstützen lassen sich nur zum Teil ausfahren und dann nicht mehr verstellen. Zumindest ist diesmal die Verpflegung

in Ordnung, denn im Gegensatz zum Hinflug nach Mallorca wird mir keine zusätzliche „Fleisch-Beilage“ serviert. Ich habe zwar schon mehrfach

vermutet, dass bei Air Berlin manchmal der Wurm drin sein könnte. Dass ich diesen aber ausgerechnet an Bord in meinem Käse-Sandwich

finden würde, hätte ich dann doch nicht erwartet...


Text: Monika Brandmaier / Fotos: Klaus und Monika Brandmaier