Sehr geehrte Leserschaft, bitte schmökern Sie hier in meinem neuen Ost Europa Rapport, bestehend aus mehreren Kapiteln mit den Geschehnissen des Sommers 2016. Gespickt mit vielen Fotografien und Anekdoten, präsentiert in vornehmster Strassenlyrik und vollendeter Gossenprosa, werden die Begegnungen mit den Eingeborenenvölkern erläutert. Lernen Sie Wissenswertes und tauchen Sie ein auf eine Rundreise mit ausgewählten Orten aus Polonistan, Ukrainistan, Belarus und Knödelland.

Warum schreibe ich diesen Text?

Gerne möchte ich den interessieren Menschen von Ihnen einzige und besondere Ländererfahrungen weitergeben, freue ich mich selbst auch immer über aktuelle und detaillierte Auskünfte die nicht von einem modebärtigem Hipp Star Tourist stammen, der begeistert über Kaffeehäuser mit glutenfreiem Gebäck und Restaurants mit veganer Speisekarte in irgendwelchen x-beliebigen Schicki-Micki Metropolen postet. Ebenfalls darf die AMF Homepage auch nicht so leer bleiben. In diesem Bericht gibt es außer der aviatischen Sparte auch wieder ausgiebig Info über Land und Leute. Siehe dazu auch die Berichte von 2015. 

Es geht wieder auf Kurs ins Zentrum der Ukraine, und zwar mit dem Auto, über 2500 km zur dort wohnhaften Verwandtschaft. Bis zur Ankunft sind 6-7 Tage veranschlagt. Unser Opel Zafira vom letzten Jahr ist leider Schrott, wurde ich heimtückisch von einer alten Dame frontal und volles Pfund auf einer Kreuzung abgeräumt. Doch haben wir zwischenzeitlich einen adäquaten Ersatz neueren Baujahrs besorgt und so kann es Mitte Juli auch endlich losgehen. Bereits in Deutschland beginnt diesmal das Ukraine Feeling.

In Leipzig weilt immer noch die Antonov 22, und unser Informant „Turbolet“ meldet gehorsam einen täglichen Lagebericht. So ist Schkeuditz als erstes Ziel anvisiert. Auf dem Vorfeld der Firma Amtes parkiert die riesige Propellerbude aus Gostomel neben zwei weiteren dicken Antons. Außerhalb vom Zaun aus im schönsten Abendlicht mit Leiter sogar ganz gut knipsbar, wie wir zu unserer Freude aus feststellen können. Inzwischen ist auch Turbolet am Aeroport eingetroffen und wir besprechen das weitere Vorgehen. Wir versuchen unser Glück am GAT und dürfen nach kurzer Wartezeit mit einem Mitarbeiter aufs Vorfeld. Das man in der Luftfahrtbranche tätig ist, war hierbei durchaus hilfreich, sonst wäre es mit der Erlaubnis den Sicherheitsbereich zu betreten wohl nicht so leicht gewesen. Wir kriegen noch einen Schuss voller Breitseite auf unsere Chipkarten und bedanken uns mit der Entrichtung eines kleinen Scherfleins bei unserem Chauffeur. Interessanter Weise bietet der Flughafen Leipzig am Tag drauf Vorfeldrundfahren für Spotter an, um die An 22 aus der Nähe fotografieren zu können. Da haben wir sie vielleicht auf eine Idee gebracht? Für 10 Euro ein fairer Preis, musste man in Zürich für den Iron Maiden Jumbo glaube ich 35 SFR abdrücken. Danke nochmals an den Flughafen Leipzig!


Antonov Airlines Antonov An-22A Antei UR-09307

Vergnügt von dieser ersten Sensation finden wir am Abend Obdach im 130 km entfernten Dresden, unser erstes Etappenziel. Dort würden wir gerne auch mehr Zeit verbringen, doch leider ist der Zeitplan wieder knapp gestrickt. In ein paar Tagen habe ich mein Ticket von Kiew nach München gebucht, und Madame Gattin fährt die restlichen 300 Kilometer alleine weiter zum Elternhaus.

Weitere Stationen auf der Reise bis zur Ukrainischen Grenze sind noch Breslau, Warschau und Zamosc, im ach so schönen Polen. Lassen wir die Bilder sprechen.


Das Rathaus von Breslau


An 2 am Flugplatz Szymanow bei Breslau, das Ost Feeling steigert sich weiter


PZL 104 Wilga am Flugplatz Szymanow bei Breslau, wo ein Besuch immer lohnt.


Der bunt angestrahlte Kulturpalst von Warschau ist 231 Meter hoch und wurde zwischen 1952 und 1955 im Baustil des sozialistischen Klassizismus errichtet


Tramwaje Warszawskie mit farbig abgestimmten Blumenschmuck


Republic of Poland Yak 40 im polnischen Militärmuseum Warschau


Zamosc, hier war mal der Papst Woitila, worauf man heute noch stolz drauf ist.

Den Grenzübergang zur Ukraine Zosin / Ustyluh haben wir vor 2 Jahren schon einmal ausprobiert und als Geheimtipp eingestuft. Da dort kein Zoll für LKW´s angeboten wird, kommen hier weitab der Fernstraßen eher nur die Grenzpendler vorbei. Und siehe da, bloß 3 Autos vor uns an der Kontrolle und wir sind innerhalb von 30 Minuten schon drüben. Absoluter Rekord, bewegen sich die Wartezeiten sonst bei ca. 3 Stunden und mehr.

Mit dem Grenzübertritt findet man sich sprichwörtlich sofort in einer anderen Welt. Die Häuser, Menschen, Autos und Straßen sehen plötzlich ganz anders aus. Besonders die Straßen mit den vielen Schlaglöchern verlangen jetzt höchste Konzentration. Alles was auf der Karte nicht weit erscheint kann trotzdem viel Zeit benötigen. Die V-max. ist also das Produkt von Fahrzeug und Straßenqualität. Das gegenseitige warnen vor Verkehrskontrollen durch Lichthupe ist beim fahren ebenfalls üblich. Die Route führt etwas weiter nördlich von Kovel nach Kiew. Die Autobahn M07 ähnelt etwas einem amerikanischen Highway. Hier kann man bedenkenlos auch mal mit Tempomat fahren. Mittlerweile ist es schon dunkel und wir verlassen die Hauptstraße um in Khorosten City ein Obdach zu finden. Das Navi kennt dort keine Unterkunft. Das nächste wird erst 150 km weiter in Kiew oder Zhytomyr angezeigt. Ein kleines Schild an der Hauptstraße macht Werbung für ein Hotel und in stockfinsterer Nacht finden wir nach etwas Suche ein Gebäude ohne Aufschrift das auch im Juli in lila Weihnachtsbeleuchtung erstrahlt. Es vermittelt nicht den Eindruck als wäre hier heute „Tag der offenen Tür“ aber das Hotel ist betriebsbereit und wir bekommen ein geräumiges Zimmer für 12 Euro. Es ist sauber und mangels Mitbewohner auch sehr ruhig. (Die anderen Gäste suchen wahrscheinlich noch draußen in der Nacht). Die Kombüse hat noch geöffnet und wir futtern zu später Stunde die Speisekarte einmal rauf und runter. Der Schtschet (die Rechnung) wird fein säuberlich und handschriftlich zum Schluss geliefert. Sagenhaft, fast wie gedruckt.


Meine Hauptschullehrerin wäre begeistert gewesen, hätte ich so eine schöne Sonntagshandschrift an den Tag gelegt.

Wir sehen uns am Tag drauf noch kurz die Stadt an. Da es dort nichts Spannendes zu bestaunen gibt geht es gleich weiter nach Kiew. Dort muss ich nun endlich auch mal Straßenbahnen spechten. Alte Tatra 3 klappern und bimmeln gemächlich durch die Straßen. Gleich 2 Depots können wir begutachten und auch ein paar Bilder von außen knipsen.

Anschließend geht die Fahrt über den Dnjepr Fluss rüber nach Borispol, wo wir wieder in einem gebuchten Apartment aus dem Internet Unterschlupf finden. Am nächsten Tag geht es für mich wieder Richtung München mit Ukraine Int. Airways.

Da bis jetzt für unsere Ansprüche noch nichts spektakuläres passiert ist, müssen wir jetzt unbedingt zusehen, dass dann ab übernächster Woche wenn ich weder zurück komme auch endlich mal was spannendes passiert.


Ein Wimmelbild ist der Bahnhofsvorplatz von Kovel, mit Basarverkäufern, Kirchen und einer alten Sockeldampflok


Sockelflieger Mig-15 an der M07 bei Sarny 


Babuschka und Tatra T3 Tram in Kiew

Eines von 3 Tram Depots in Kiew, am Boden dunkle Schmierfett Flecken.

Der Dienstplan für August wurde verkündet und ist Gott sein dank wieder mit 8 freien Tagen am Stück garniert. In der Zwischenzeit habe ich eine kleine Abenteuerreise nach Saporischschja OZH / UKDE geplant. Als Verbindung wähle ich die dortig beheimatete Fluggesellschaft Motor Sich, gesprochen „Sitsch“. Diese Gesellschaft hat einen recht urigen Fuhrpark zu bieten. Motor Sich ist spezialisiert auf Motoren und Turbinen aller Art, und betreibt somit nämlich nur Flugzeuge, welche auch mit ihren hauseigene Produkten betrieben werden. 2 Jahre zuvor sind wir schon mit deren Antonov 24 nach Uzgorod geflogen. Welcher Flugzeugtyp auf welcher Strecke eingesetzt wird, erfolgt immer ganz nach Gusto. Deswegen hoffen wir stark auf die Typen welche uns noch in unserer Flugstatistik fehlen, wären da die dreistrahlige Yak 40 und die moderne Propeller Antonov 140 noch zum Abhaken.


„Die Siechen Flotte“

Nach einer Arbeitsschicht lande ich am Donnerstag um 1530 wieder in KBP. Passkontrolle und Gepäck klappen diesmal zügig. Es gibt jetzt sogar Lautsprecherdurchsagen auf Englisch im Terminal, nicht bei den illegalen Taxifahren einzusteigen. Und siehe da in der Luftschiffhalle gibt es gar keine Angriffe mehr von den wilden Taxlern. Dafür steht die hübsche Gattin parat ! Schnell raus aus dem Terminal, zum Parkplatz. 1 Stunde parken kostet 1 Euro. Hier fühlt man sich manchmal wirklich noch wie ein König. Kommt aber der schmierige Mafia Ukrainer in seinem dicken Land Rover vorbei ist die Euphorie schnell wieder verflogen. Jetzt aber hurtig, um 20 Uhr geht ja unsere Maschine nach Zaporoshje und zwar vom Stadtflughafen Zhuliany. Wir kommen zügig durch die Stadt, obwohl auf der Brücke über den Dnjepr wieder ein Auffahrunfall stattgefunden hat und einen längeren Stau verursacht. Die Zeit bis zum Abflug erlaubt uns noch kurz ins State Aviation Museum reinzuschauen. Und siehe da, es hat sich schon wieder was getan. Die Ilyushin 76 hat seit letztem Jahr einen neuen Anstrich erhalten. Auch die Tupolev 134 der Ukrain Government kann jetzt von innen besichtigt werden.


Ukraine Tu 134

Rasch mal überall Klicki-Klacki wo es lohnt, und dann aber raki-faki, quiki-fiki zum Terminal. Nicht weit davon parken wir unseren Opel am neuen Urlauberparkplatz. Ein Parkplatz auf Schotter Steinen, Kieshügeln und Gestrüpp hat jemand als neue Geschäftsidee erkannt. Ein Junge sitzt in einer Baracke und bedient die Schranke. Nach sowjetischer Kontrollmanier wird alles handschriftlich in ein Kladde eingetragen, damit alles amtlich ist. Wir werden uns schnell über den Preis einig und zu Fuß geht’s am neuen bunten Sockelflieger vorbei zum Flughafenareal. Das Nigel nagelneue Domestik Terminal wird wohl schon wieder nicht mehr benutzt, und wir finden den Check in im International Terminal vor. Vom Zaun aus hat man einen guten Blick über das gesamte Vorfeld. Wie bei den Bremer Stadtmusikanten krabbelt meine Frau auf meine Schultern und knipst etwas schauklig einen Dart Airbus über den hohen Flughafen Zaun. Wir erspechten die Motor Sich An 24 UR-MSI. In einer Stunde geht zeitgleich mit unserer Maschine noch ein Flug nach Odessa. Also welches Flugzeug werden wir nun heute fliegen dürfen? Für den 3 tägigen Ausflug beschränken wir uns auf das nötigsten und haben gemeinsam nur eine Reisetasche für den Check in. Den Reisverschluss mit Kabelbinder gegen diebische Flughafen Mitarbeiter gesichert legen wir unser Gepäckstück aufs Band beim Motor Sich Check In. Nix da. Das muss natürlich nochmal schön in Plastikfolie verwickelt werden, nur so wird es zur Verladung akzeptiert. Das Wickeln erfolgt sogar kostenfrei. Das Gepäck setzt sich auf dem Rollband in Bewegung und wir erhalten unsere Bordkarten. Neugierig frage ich nun die Schalteruschi auf Englisch nach dem „typ of aircraft“. Als Antwort erhalten ich „ 8 o´clock“. Na ja, kann ja sein das mein englisch nicht so toll ist, also versuche ich es nochmal beim schlau drein blinkenden Herrn Supervisor der hinter der Dame stehend jeden Handgriff der Angestellten überwacht. Der schaut kurz auf eine Liste und stammelt zu mir dann; Antonov twatzed, twa . Das bedeutet so viel wie Antonov 22. Ich muss lachen. Er korrigiert sich auf Antonov twatzed shest. Das wäre dann Antonov 26. Das kann aber auch nicht sein, das ist ein Frachter und nicht in der Flotte der Gesellschaft vertreten. Also überlege ich logisch und beginne zu rechnen; An 22 + An 26 = An 48 An 48 : 2 = An 24 ! Der Mittelwert ist das Ergebnis. Gut wen man früher mal am Max-Planck-Institut studiert hat. Etwas enttäuscht gehen wir in den Sicherheitsbereich und trinken uns mit einem Glas Cognac noch guten Mut an. Große Sorgen mache ich mir da nicht, doch Frau Gemahlin traut ihrer einheimischen Technik doch nicht so recht über dem Weg. Die Gruppe nach Odessa wird aufgerufen, und kurz darauf wir. Zwischenzeitlich hat sich die Antonov 140 auf das Vorfeld gesellt. Weis gar nicht wo die plötzlich herkam. Ich hoffe immer noch das wir vielleicht doch noch einen aircraft change erleben werden, doch der Flughafenbus mit der Reisegruppe Odessa hält zielstrebig auf die An 140 zu. Das war´s dann also mit unserem neuen Flugzeugtyp. Wenigstens ein neues Kennzeichen können wir in unsere Flugstatistik einloggen.


Dart Airbus A 320 ex Gulf Air,First Nation Air,Avion Express,R Airlines BJ 1994


Motor Sich Airlines Antonov An-24 UR-MSI, unsere Mühle nach Zaporoshje.


Die Tasche zum Wickler geht,
sich dort schnell in Folie dreht,
fertig unser Gepäck ist verpackt,
nach der Landung es ist nicht bekackt.


Natrovje und zum Wohl! Ukrainisch – Deutsche Partnerschaft

Als letzte Paxe steigen wir ein, um wieder ein Bild von uns beiden auf der Einstiegstreppe zu bekommen. Ein freundlicher Bodenbediensteter macht von uns ein „Selfie“ so wie er sagt. Heute haben wir den Steward Alexander als Purser an Bord. Tipi Topi schaut er aus in seiner schneidig´n Uniform. Er mahnt zu eile, und wir nehmen Platz in Reihe 7, direkt unter der Tragfläche und neben dem Fahrwerk. Es ist der ölige Museumsgeruch, die Sitzsessel, die runden Bullaugen Fenster und alles andere an Bord was den Flug zu einem wirklichen Erlebnis machen. Die Gepäckablage ist wie bei der Bahn, ohne dass man eine Klappe verschließen kann. Deswegen dürfte die Maschine auch nicht einen Fuß nach Europa machen weil das von der europäischen Luftfahrtbehörde so verboten ist. Die Sitzplatz Nummern in kyrillischer Schrift sind auch toll. Gerade macht der Kabinenchef im vorderen Teil seine Sicherheitsansage. Bei laufenden Propeller und ohne Lautsprecher versteht sowieso keiner was, und ich mache noch ein Übersichtsfoto der Flugzeugzelle. Das hat er jetzt gesehen, unterbricht seine Rede und springt auf mich zu. Jetzt kriege ich prompt eine Ermahnung, nicht die Crew und die andern Gäste auf Bild aufzunehmen. Aijai jai... Später entschuldige ich mich bei ihm und erkläre ihm noch meine Begeisterung für die Antonov usw. Scheint ihn aber alles nicht so zu interessieren. Wie so oft schämen sich die Leute wohl eher für ihr altes Geraffel und schauen mehr neidisch Richtung westliches Fluggerät. Wir starten auf der RWY 08 und die Maschine scheint kaum an Höhe zu gewinnen. Wir fliegen in einer niedrigen links Kurve Richtung Borispol. Im letzten Licht mache ich noch ein paar Fotos zum Fenster raus, bevor die Nacht anbricht. Jetzt gibt es einen Becher Voda und später noch Kofe oder Tschai mit Keksen und Bonbons. Besser als nix, da können sich die großen schrottigen Staatsairlines a la Air Balic bis Iberia mal ne Scheibe von Abschneiden. Hinten bei der Küche sitzen noch ein paar Piloten in Uniform welche wohl gerade nach Hause proceeden. Auch diese machen einen höchst unmotivierten und gelangweilten Eindruck, ist´s für sie doch täglich der gleiche Scheiss. Alle Versuche bei einem Gespräch das Eis zu brechen, fruchten nicht wirklich. Wir landen nach ca 1:30 Stunden Flugzeit in finsterer Nacht. Draußen ist nichts zu erkennen. Der diensthabende Copilot, des englischen ganz gut mächtig erlaubt mir nach der Landung noch einen kurzen Cockpit besuch. Wenigstens noch ein Foto vom Uhrenladen Cockpit gemacht.

Schnell bedankt und auf Wiedersehen gesagt. Vom Flugzeug geht es über das fast stockdunkle Vorfeld ca. 30 Meter zu Fuß zum Flughafenzaun wo uns das Gepäck vom Wagen gereicht wird. Dort lernen wir die junge und fesche Alina vom Flughafen Handling kennen. Wir fragen sie ob wir mal an einem Tag ihrer Wahl zum Besuch erscheinen dürfen. Sie verspricht uns ihre Hilfe für einen Vorfeld Foto Besuch und wir tauschen Telefonnummern. Das wird später noch zu einer ungeahnten Überraschung führen.

Am Flughafen ist kein einziges Taxi und außer ein paar Straßen Kötern sind auch kaum mehr Leute unterwegs. Fast schon etwas unheimlich, doch wir finden eine Frau im Terminal die uns eine Telefonnummer für ein Taxi gibt. Das Gebäude erinnert so gar nicht an Flughafen. Keine Check in Schalter, kein Geschäft, lediglich zwei Fenster für ein Ticket Büro mit geschlossener Jalousie. Der gesamte Flugplan ist wie von einem Schriftsetzer auf eine Tafel gesteckt. Ist ja doch einiges geboten hier, wie man bei genauerem Blick feststellen kann.


Linkes Hauptfahrwerk mit großem Reifen. Hiermit kann man auch im Acker landen.


Kabine der An-24. Bitte beachten Sie die offene Hutablage.


KBP Übersicht in der Dämmerung. Es stehen immer noch 2 Aerosvit 767-300 herum.


An 24 Cockpits. Kyrillisch, analog und mechanisch, so wie es sein soll!


Der nächtliche Flughafen von der Landseite gesehen. Es scheint als würden in den oberen Stockwerken sogar Leute wohnen.


Der Sommerflugplan auf ukrainisch vom altertümlichen Beruf des Schriftsetzers zusammen geschnitzt. Manch ukrainischer Airport würde sich bei den ganzen Airlines die Finger abschlecken. Hier ist Motor Sich, Azur Air Ukraine, Windrose, Turkish Airlines, Atlasjet, Pegasus und Ukraine International im Schedule.

In der lauschigen Sommernacht sind es immer noch 25 Grad nach 22:00 Uhr und wir sehen in der Wartezeit dank der Dunkelheit am Flughafen einen strahlenden Sternenhimmel. Unser Taxi kommt nach ca. 15 Minuten. Kennzeichen und Automarke kamen als Bestätigung der Zentrale per SMS. Für die fast 20 minütige nächtliche Fahrt ins Zentrum zum Hotel Teatralnia zahlen wir inkl. Tip 100 Grivna. Auf der Fahrt lese ich ein Straßenschild, Donezk 200 km. Also gar nicht mehr weit bis zur Kriegsfrontlinie.

Wir checken in unser „deluxe“ Hotel ein, in welchem wir die nächsten 4 Tage logieren werden. Wir dinieren fürstlich in unserem gegenüberliegen Stammlokal „Traktor“ und lassen den Abend an der Hotelbar mit reichlich Bier und Schnaps ausklingen.

Saporischschja / Saporosche / Запоріжжя / Запорожье / Zaporizhia
Wie schreibt man den Namen der Stadt jetzt wirklich? Unzählige Variationen habe ich schon gefunden. Das Grundproblem in der Ukraine ist, dass es für jeden Ort erst einmal die ukrainische und die noch russische Bezeichnung gibt. Für die Transkription gibt es verschiedene Versionen und dazu kommt dann noch die Transliteration. Wer das versucht auszusprechen muss wissen: Unbetonte „o“s werden im Russischen als „a“ gesprochen und das „sch“ ist in dem Fall weich. Also keine Ahnung ! Übrigens heißt der Ort wörtlich übersetzt: Hinter den Stromschnellen. Diese findet man aber nicht mehr wirklich, da ein riesiger Staudamm diese vertrocknen hat lassen.

In den folgenden Tagen besichtigen wir die Stadt und die Kosaken Insel Chortitza. Einmal drauf, kann man schon mal vergessen, dass man überhaupt auf einer Insel ist. Dort gründeten die Kosaken ihre erste Sitsch. Das Museum ist geschlossen und wir begeben uns nebenan zum Freilichtmuseum mit einigen Nachbauten von damals. Auch typisch für das ukrainische Organisationstalent das die größte Attraktion der Stadt nicht an das öffentliche Verkehrsnetz mit angebunden ist. Es ist nicht zu empfehlen die 3 km auf einer Strasse ohne Bürgersteig zu laufen. Lieber ein Taxi organisieren, und bitte nicht die Telefonnummer des Fahrers für die Rückfahrt vergessen !

Die Stadt hat nicht wirklich viel für Touristen zu bieten. Das macht uns aber nichts aus, betrachten wir uns sowieso nie als Touris welche ideenlos ein Programm aus dem Reiseführer abklappern, sondern mehr als Entdecker und Botschafter. Die Stadt hat 760.000 Einwohner und lebt hauptsächlich durch den Abbau von Kohle, Erz und Mangan. Ebenfalls werden Motoren durch Motor Sich und Autos der Firma ZAZ gebaut. Die größte Lenin Statue der Ukraine stand hier mal und ist erst im März 2016 mit einem Kran von ihrem Sockel entfernt worden. Auf einen LKW geladen und irgendwohin auf den Schrottplatz damit. Örtliche Aktivisten unternahmen mehrere Versuche, das Denkmal zu retten. Mitunter kam es zu heftigen Zusammenstößen mit Lenin Gegnern.

Hier einige Bilder der Stadt Zaporizhia oder wie man es lateinisch halt schreiben mag.


Der 762 Meter lange Staudamm am Dnjepr mit Wasserkraftwerk Station


Die Kirche im Korsaken Fort Chortitza. Verkleidete Darsteller bieten etwas Programm.


Eine Brücke, einmal Angefangen, nie fertiggestellt. Hat sich wieder jemand Geld aus der Staatskasse in die Tasche gesteckt und ist abgedampft. 


Billiger Pennerfussel aus der Apotheke. 97%iger Ethyl-Alkohol für 6 Grivna (22cent) verspricht zeitnahe Betäubung und 97% Sorgenfreiheit. Zahllose Fläschchen liegen in jedem Park herum.


Sockelflieger An 2 beim Motor Sich Technik Museum


Berühmt berüchtigter T-34 Panzer beim Motor Sich Museum


Strassenbahn in Saporischschja Tatra T6A2


Ein Model eines Flugzeugs auf einem Sockel im Stadtzentrum. Die Spiegelung durch eine grosse Pfütze verdanken wir einem kurzen aber heftigen Sommergewitter. So einen Regenschauer nennt man in der Ukraine „kurjatschyj doschtsch“. Übersetzt „Hühner Dusche“, um die Viecher mal kurz zu erschrecken.


Ex Prospekt Lenin, jetzt Sobornyi Avenue mit stattlichen Gebäuden links und rechts


Die Magistrale durch die Stadt ist 12 km lang und somit Europas längste Hauptstrasse


Strommasten in Saporischschja. Energie wird für die vielen Fabriken in Massen benötigt und kommt teilweise vom Wasserkraftwerk am Staudamm, und noch vom südlich gelegenen Atomkraftwerk Enerhodar.

Weichenstellung von Manuel. Oder besser Manuela. Schlichter Handbetrieb sozusagen.

 
Galionsfigur über der Eingangstüre von Motor Sich

Am Samstag meldet sich Alina vom Handling Büro des Flughafens per SMS. Es ist nicht möglich am Flughafen zu fotografieren, und es wird auch für uns unglücklicher Dings keine Ausnahme gemacht. Das war zu befürchten und deswegen hält sich die Desillusionierung in Grenzen. Es entsteht also kein Frust, den es gibt immer noch genügend alternativ Programm für uns. Bleibt noch hinzuzufügen, das durch den Telefonnummerntausch jetzt bei „Whatsapp„ Alinas Kontakt im Display auftaucht. Das Profilbild zeigt sie halbnackt im knappen Bikini am Strand. Für manch einen wäre das dann bestimmt noch ein kleiner Trost gewesen. Uns wären Bilder von Migs, Yaks, Tusen und Ilsen aber immer noch lieber als Bilder von Olgas, Uschis und Trullas.

3 Tips für die ukrainische Großstadt: Vorwiegend Sonntags Vormittag gibt es in den größeren Städten an bestimmten Orten sogenannte Antikmärkte. Meist ältere nette Herren dandeln mit Münzen, Briefmarken, alte Militaria, Anstecknadeln usw. Hier ist für mich auch immer was dabei. Kaum haben die umstehenden Händler spitz gekriegt, das da ein deutscher einkauft, wird man von Angeboten nur so überschüttet. Jeder will dann was zeigen und verkaufen. Dann muss man sich schon mal durch ein paar Alben mit Briefmarken durchforsten bis man wieder in die Freiheit entlassen wird. Lohnt sich aber jedes Mal wieder, dort ein paar Andenken einzukaufen. Auch vom 2 Weltkrieg der deutschen Soldaten sind einige Originale zu ergattern. Kauft man in einem Supermarkt ein, wird man an der Kasse immer nach einem Paket gefragt. Gemeint ist ein Plastiktüte, und für unsere österreichischen Leser, ein Sacker´l. Für die Notdurft findet man öffentliche Toiletten des öfteren bei Kaufhäusern, Basaren und Bahnhöfen, welche mit 2 Grivna bezahlt werden müssen. Dafür gibt es dann auch ein paar Stücke grobes Papier zum abwischen von der Toilettenfrau in die Hand gedrückt. Ein Rolle Klopapier hängt nämlich nicht so einfach da rum, die könnte ja jemand für zu Hause gebrauchen und mitgehen lassen. Also gehört eine Packung feuchter Tücher immer zum festen Bestandteil der Überlebensausrüstung in der Ukraine. Interessant das das Toilettenentgelt preislich adäquat zu einer Fahrkarte mit der Strassenbahn ist. Stelle man sich vor in München würde die Nutzung des Abortes soviel kosten wie eine Strecke im Innenraum der MVG. Für 2,70 € wärs ein echt beschissner Preis.

Sonntags gibt es einen Besuch bei der Kinderbahn von Zaporoshje. Eine TU2 fährt eine gemütliche Strecke um den See beim Kanal Grenoji im Kreis. Ringsum viele Kiefern und Birken die auf sandigem Boden wachsen. Die Bahn wurde durch Kinder ins Leben gerufen, welche sich für die Eisenbahn interessieren. Die Kids übernehmen die Aufgaben der Schaffner und Kontrolleure. Sogar die Lok wird von den etwas älteren Jugendlichen gelenkt, unter Aufsicht der erfahrene alten Füchse. Etwas schüchtern noch, hielten die zukünftigen Bahner auf der Reise kurze Ansagen und gaben Infos. Unterlegt mit sowjetischen Kinderliedern über Lautsprecher war die Fahrt ein tolles Erlebnis. Unterwegs wurde für kurze Stops halt gemacht, welche ich noch für einen tollen Schuss des Gespannes wahrnehmen konnte.


Kinderbahn mit besonders jungem Personal


TU2-144 mit 5 Wagen auf der Schmalspur Strecke

Montag früh müssen wir ganz früh aufstehen. Der Abflug ist 7:20. Das Taxi holt uns um 6:00 Uhr am Hotel ab. Mit Lynch Paketen versorgt geht’s raus zum Flughafen. Auch wieder ganz billig kommen wir recht zeitnah am sogenannten Terminal an. Der Check in Schalter für unseren Flug hat noch nicht einmal geöffnet. Wir laufen ums Eck zum Zaun und sehen mal was da am Vorfeld parkt. Tags zuvor war die Yak auf dem Kiew Kurs unterwegs. Auf dem Vorfeld steht eine Antonov 24. Diese sollte aber nach Minsk fliegen. Auf der gegenüberliegende Seite ist das technische Gelände von Motor Sich. Aus der Ferne kann man die Yak 40 und Antonov 140 erkennen. Das ist ja schon mal super. Entweder oder. Per Lautsprecher werden die Passagiere nach Kiew zum Check in gebeten. Wir huschen zurück und am Ende der 5 Meter langen Menschenschlange steht eine Waage an welcher die Damen die Koffer und Taschen wiegen und sogar Computergedruckte Bordkarten ausgeben. Das Gepäck nimmt man dann gelabelt wieder an sich und lässt es samt Handgepäck durch den Scanner fahren. Danach wird es von einem Mitarbeiter auf einen Wagen geladen, während sich der Fluggast die Treppen hoch in den Wartebereich begibt. Zum boarding geht es die Treppen auf der andern Seite wieder herunter und man läuft zu einem Bus, welcher einen die letzen 30 Meter noch zum Flugzeug fährt. Der Frühsport ist also auch erledigt. In der Zwischenzeit hat sich die Antonov 140 zu uns auf die Seite begeben. Wir freuen uns über ein recht seltenes Exemplar, welches man bei einer gebauten Anzahl von 33 Stück nicht allzu oft auf diesem Planeten findet.

An Bord ist wieder der Steward Alexander. Uns bleibt auch nichts erspart. Unsere Sitzplatzreihe Nummer 4 entpuppt sich als fensterloser Platz. Genau neben dem Propeller ist die Seitenwand mit Metal verstärkt um bei kalten Temperaturen, abfallendes Eis nicht gegen eine Scheibe zu schleudern. So ein Mist. Der Flieger ist nur halb voll, aber Alexander verbietet sich umzusetzen. A so a gscherda Ramäh. Auch ein holländischer Flugzeugfan bekommt nun den Befehlston des Siechen zu hören, hat er sich doch ungefragt in die erste Reihe gepflanzt. Dort sitz man sogar entgegengesetzt der Flugrichtung und hier befindet sich auch ein Notausgang. Alexander findet es aber besser wenn dort keiner sitzt. Könnte man ja aus versehen die Tür öffnen, oder was denkt er sich? Unser herzlose Steward verschwinde in der hinteren Küche und ich packe die Gelegenheit bei Schopfe und setze mich noch schnell 2 Reihen weiter hinter auf die andere Seite. Die verkratzten milchigen Fensterscheiben lassen eher bloss einen trüben Blick zu. Da die Bilder wohl eh alle nur Schrott würden, entschliesse ich mich für einen Video. Um Ihnen hier wenigstens ein paar Ansichten vom Zaporoshje Vorfeld zu zeigen, greife ich mal auf mein umfangreiches Archiv zurück und präsentiere nun einige meiner Bilder aus dem Jahre 2013 von meinem ersten Besuch.


Ilyushin 76 ohne Ende. So nah, und doch so weit.


Zaoproshe Flughafen von der Luftseite aus gesehen.


An 140 Boarding


Impression von Yak 40, Yak 42 und An 12 aus dem Jahre 2013


Diverse Yak 40 vergammeln auf dem zivilen Vorfeld von UKDE. Bild von 11/2013


Krasses Il 76 line up. Aus dem Cockpitfenster gespechtet von 11/2013


Der 6 blättrige Gurkenschneider der An 140

Als Resümee war der Flug mit der Antonov 140 meiner Meinung nach nicht so etwas besonderes verglichen mit der An 24. Von der Kabine her hätte das jetzt auch ne ATR oder Fokker sein können. Der Asbach Uralt Mief hat halt einfach gefehlt und der moderne 6 Blatt Prop lässt die beiden Quirle bloss leise schnurren. Aber natürlich immer noch besser als ein Boeing oder Airbus Plastikflieger.

Heute bei Tageslicht können wir aus FL180 endlich mal gut die Landschaft unter uns erkennen. Unser Flug führt an Dnipropetrovsk, welches jetzt Dniprodserschynsk heißt, vorbei weiter über Krementschuk, Tscherkassy und Borispol. Dann geht’s -streight in- auf die Runway 08 in Zhuliany. Viele Städte werden jetzt in der Ukraine umbenannt. Das nennt sich Entsowjetisierung oder Dekommunisierung. Mehr als 170 Orte deren Namen aus der kommunistischen Zeit stammen werden geändert. So heißt die Hafenstadt Illitschwisk, die nach Wladimir Iljitsch Lenin benannt war, nun Tschornomorsk. Vielleicht gibt es ja bald mal auch Floristschuk oder Florianspol? Am Flughafen Kiew haben wir das Glück direkt neben der MD 83 von Bravo Air geparkt zu werden. Beim Aussteigen schnell noch draufgehalten, bevor wieder der obligatorische Anschiss ertönt.


Yan Air B 737-400 UR-CNP beim aussteigen locker aus der Hüfte geschossen


Bravo Airways MD-83 UR-COB, mit Weitwinkel grad noch so rein gebastelt


Kiew Gate Guard Antonov An-24B ex UR-47287 vor dem Terminal aufgestellt

Obwohl heute Montag ist und das State Aviation Museum geschlossen ist, fahren wir mal zur Nebenpforte und probieren unser Glück. Frau Gemahlin managt wieder. Ein Wächter telefoniert mit seinem Chef. In der Tonart in diese Ukrainer miteinander Reden, ist es mir immer noch ein Rätsel ob das Gespräch nun einen positiven oder negativ Ausgang nehmen wird. Keinerlei Emotion, die drauf schliessen lassen könnte ob wir nun Einlass bekommen oder nicht. Zu meinem Erstauen klappt es dann doch. Ich zahle passend und wir dürfen auf das Gelände spazieren. Wirklich super. Ein paar Mechaniker sind die einzigen Personen hier und keine nervigen Schulklassen laufen uns wie schon so häufig im Bild herum. Die Ilse der Aeroflot ist nun gut im Licht, doch leider sind Stromkabel und eine GPU für einen 90 grad Seitschuss im Wege. Also wieder kreativ lichten von allen Seiten.


Aeroflot Ilyushin 76 CCCP-76511 ex UR-UCI . Die Aeroflot Bemalung ist die original Lackierung in dieser die Maschine ursprünglich ausgeliefert wurde. Eine IL 78 der Ukrainian Cargo Airways ist 1998 in Asmara, Eritrea abgestürzt. Also Hommage an die ukrainische Besatzung wurde das Kennzeichen UR-UCI drauf gepinselt.


An 2 wurde wohl am letzten Kinderfest bunt Bemalt


Vorsicht Mauerspecht ! Kamera mal drüber-halten und schauen was rauskommt. Hier die Abstellecke mit MD 83 und Yak 40 v.l.n.r. UR-CLP, UR-PVS, UR-CHK, UR-RTS

Nach nur einem kurzen Besuch geht es nun die restlichen 300 Kilometer weiter südlich zur Verwandtschaft, mitten im Zentrum der Ukraine. Bemerkbar macht sich dass die Polizisten irgendwie verschwunden sind. Jedenfalls gibt es nicht mehr so Wegelagerer wie in den Jahren zuvor, welche uns fuchtelnd mit ihren schwarz weisen Stöckchen raus gewunken haben. Nach ca 5 Stunden Autofahrt auf der Landstrasse kommen wir im Dorf an.

Gestern hat ein Lastwagen der Mutter das Brennholz für den Winter geliefert. Der Fahrer hat pauschal mal alles in den Hof gekippt, und ich komme nun gerade recht um die dicken Stämme weiter nach hinten auf die Lagerfläche zu wuchten. Auch im Urlaub muss man viel schuften, gerade hier auf dem Land wo es immer was zu tun gibt. Manche Stämme sind so gross und schwer, diese werden alsbald von mir mit der ollen Stiehl Kettensäge in kleine Stückchen filetiert, solange bis das Benzin alle ist.

Im Dorf hat sich seit letztem Jahr nicht viel verändert, hier und da wird ein bisschen modernisiert. Motive zum ablichten sehe ich auch nicht mehr so wirklich, habe ich in den letzten 5 Jahren seit dem ich hier herkomme bereits alles und jede Ecke bildlich festgehalten. Das ist auch der Dorfgemeinschaft nicht verborgen geblieben. Die alten Rentner waren besorgt und sprachen zu sich. „Da ist ein riiiiiesiger grosser Mann aus dem Ausland, mit einer noch viiiiiel grösseren Kamera, der hier alles fotografiert“! Er wird sicher das Dorf kaufen wollen, und was soll dann aus uns werden.? So entstehen also Gerüchte in der Kommune obwohl man gar nichts böses will. Hier mal ein paar Einblicke in ein typische ukrainisches Dorf.


Eichenholz sorgt für einen guten Brennwert. Jetzt erstmal zum trocknen stapeln.


Ein neuer Kläffti Hund kam dies Jahr zur Welt. Er heist Sontschik. etwa Söhnchen.


Sowjetische Mosaik Kunst an der Hauswand der Schule „Lernen, lernen und nochmals lernen“ Zitat Lenin


Der örtliche Krämerladen. Hat man keine grossen Sonderwünsche, gibt’s eigentlich alles was man so braucht.


Die andere Ecke des Kaufladen. Das Ablaufdatum sollte man vor dem Kauf kontrollieren.


Der Friedhof gefällt mir immer besonders gut, weil dort stehen kleine Tische und Bänke bei den Gräbern. Hier kann man dann mit seinen Verstorbenen zusammen Brotzeit machen. Am 9 Mai ist dort jährlich Volksfeststimmung mit Saufen, Fressen und Süssigkeiten für die Kinder.


Denkmal für die gestorben Männer des Dorfes des 2 Weltkrieges


Im Kindergarten wird im August immer klar Schiff gemacht. Das bedeutet es gibt zwar nichts Neues, aber es wird frisch gestrichen, so dass es wie Neu aussieht. Aus alten Autoreifen und Holz zamgeschusterte Figuren, eine Metallrakete, ein Auto und eine rekordverdächtig lange Rutsche bieten den Kindergartenkindern höchstes Spielvergnügen.


Inquisitor! Hexen und Unkraut verbrennen im Garten, bei uns daheim in Deutschland undenkbar. Grüß Sie Herr Nachbar !

Es geht zurück nach Kiew. Ein kurzer Stop in Tscherkassy am Basar für ein paar Besorgungen wird eingelegt. Die Markthalle mit den zahlreichen Verkäufern und ihren Waagen fasziniert mich immer noch am meisten. Das ganze Fleisch liegt ungekühlt den ganzen Tag am Tresen herum.


Überblick in die Markthalle von Tscherkassy, hier die Fleischabteilung.


Meine neuen Freundinnen. Wer muss bei diesem Anblick nicht an den Song von Helge Schneider denken. „Ich bin der Wurstfachverkäuferin“ !

To be continued…

 

Text und Bilder: Flo Weiss