Ziel der Reise war die Region Spola, welche im Zentrum der Ukraine liegt, um dort wie jedes Jahr die Verwandtschaft zu besuchen. Die Konfliktgebiete im Donbass sind weit entfernt und man hat im restlichen Land nichts zu befürchten. Außer von ein paar bestechlichen Polizisten die ein deutsches Nummernschild sofort als gefundenes Fressen heraus erkennen und ihr Glück versuchen um an Bares zu gelangen. In den Jahren zuvor mussten wir uns schon zweimal mit einem kleinen Obolus freikaufen. Natürlich dauerte es nicht lange und wir sahen die erste Kelle am Straßenrand uns raus winken. Diesmal wurde uns kein eingeschaltetes Licht und Alkohol am Steuer zur Last gelegt. Nun aber kennt man das dreckige Spiel und diesen Abschaum von Ordnungshütern, welche nicht mal das Wort Bullen verdient haben, wurde gezeigt dass man nicht jeden Deutschen nach Lust und Laune verarschen kann. Mit Blut abnehmen im Krankenhaus und Gerichtsverhandlung einige Tage später wurde mir gedroht. Alles nur heiße Luft. Hier muss man einfach nur Ruhe bewahren. So suchten die Uniformierten nach etwa 15 Minuten Verhandlung das Weite und der schon vor Ihren Augen feudale Feierabend mit den gewünschten 100 Dollar Bestechungsgeld für „ohne Protokoll“ war verpufft. 

Dieses Jahr war die Route, um für etwas Abwechslung zu sorgen, über Österreich und Ungarn geplant was hier nicht weiter erwähnenswert ist. Man passiert dann die Grenze im Karpaten Gebiet, nicht weit von Rumänien entfernt. Los ging´s Ende April 2015.

Erstes spannendes Ziel war die Stadt Vinogradiv. Dort findet einmal die Woche der Basar statt. Hier wird außer Obst,Gemüse,Südfrüchte und Federvieh noch alles andere verkauft, was man in Deutschland schon lange entsorgt hätte. Von gebrauchten Schuhen über second hand Klamotten und Elektroschrott ist alles vorhanden.

Hier gibt es für Eisenbahnfans etwas ganz besonderes: Eine Schmalspurbahn verkehrt aus Geldgründen nur noch recht selten mit einem auch zur Vergangenheit verglichenen recht abgespecktem Fahrplan. Die Fahrzeiten konnte man im Voraus auskundschaften und so stand ich pünktlich um 8:00 Uhr morgens parat.

Zu dieser Zeit haben die Händler schon Ihre Stände quasi auf den Schienen aufgestellt. Wenn die Lokomotive nun für die Rückfahrt von vorne umrangiert, um ans andere Ende des Zuges zu fahren, rumpelt diese einmal durch alle Buden. Es klappt erstaunlicher Weise ganz gut. Ein deutscher TÜV Prüfer oder Sicherheitsbeauftragter würde sicher an einem Herzinfarkt kollabieren.

 

 

Außergewöhnliche Atmosphäre am Bahnhofsplatz 

Bei der Lok handelt es sich übrigens um eine TU-2. Klingt ja fast schon nach Flugzeug. Von denen gibt es aber erst später mehr. Wer in diesem Report jedoch auf viele Boeing´s und Airbusse hofft, den kann ich an dieser Stelle schon mal enttäuschen.

 

 

Hier noch eine Diesellok D1 im Bahnhof von Chust. Man beachte bitte die Frau Bahnhofswärterin.

 

Weiter immer Richtung Osten durch die hügelige Landschaft der Karpaten an Flüssen vorbei, über holperige Schotterstraßen, dessen Belag mehr an Pop Korn als an Asphalt erinnert. Am Straßenrand war ein Autowrack, welches wohl letzte Nacht einem Schlagloch nicht mehr rechtzeitig ausweichen konnten. Das eine Vorderrad zeigte noch gerade aus, das andere dafür 90 grad nach links...  So schnell kann´s gehen. 

 

Und immer noch weiter autofahren, vorbei an Chernievtsi in Richtung Vinnitsa. Hier gibt es 2 Sockelflieger welche wir bei der Fahrt vor 2 Jahren nicht fotografiert hatten. 
Sehr viel Informationen über Positionen von Sockelfliegern und Agrarflugplätzen habe ich von zwei starken Spottern Namens Turbolet und Yak aus Dresden, welche 2011 eine verrückte Autotour durch die ganze Ukraine gemacht haben.

Wer hier mehr sehen möchte sollte mal bei www.skybird-ev.de vorbeischauen.

Mig 21

 

Für Freunde von Nostalgie ist die Ukraine in manchen Orten immer noch ein Paradies, in manch anderen Städten geht der Fortschritt jedoch auch rasch voran. Die Straßenbahnen in Vinnitsa zB. sind alles Geschenke der Stadt Zürich. Die ausgemusterten Modelle mit der Bezeichnung Mirage fahren nun hier fleißig weiter. Es war billiger sie zu verschenken, als sie in der Schweiz zu verschrotten.

Auf diesem Exemplar ist sogar noch eine Werbung fürs Züricher Ballett zu sehen.

 

Nach 7 Tagen Fahrt und 2300 km waren wir nun endlich am Ziel angekommen.
Hier im Dorf ist noch alles wie früher mit Brunnenwasser und Plumpsklo. Handyempfang gibt’s aber schon. Waschtag war angesagt, fast alles von Hand wird erledigt. Es täte bestimmt jedem mal ganz gut auch diese Welt zu erleben. Weis man dann wieder wie gut es einem in Deutschland geht und die Dauernörgler von uns würden wieder einen Gang runter schalten.

 

 

In meinen freien Arbeitsblöcken, sofern es die Zeit erlaubt, werde ich wieder in die Ukraine zurückkehren und die wenigen Tage für weitere Kurztrips in der Kiewer Umgebung nutzen. Es gibt noch sehr viel zu entdecken und die Chance muss man unbedingt nutzen, um dieses schöne Land mit seinen Ecken und Kanten besser kennen zu lernen. Man muss allerdings beachten, was auf der Karte nur 200 km sind, dauert im wahren Leben hier 5 Stunden Fahrtzeit und mehr. Die Straßen lassen ein Höchstgeschwindigkeit von mehr als 80 km/h nur selten zu.

 

So ging es dann auch Mitte Mai noch nach Krivy Rih, einer Minen Stadt mitten im nirgendwo. Hier lockte das Aviation Kollege mit einer abwechslungsreichen Sammlung von sowjetischen Heavy Metal. Am Flughafen ist leider kein Linienverkehr mehr, kam letztes Jahr immer noch ein Flieger aus Kiew von Motor Sich. Am Flughafen verrottet eine An12 der Firma KazAviaSpas. Auch dort wurden schon diverse Il 76 aus Afrika gesichtet die zur Wartung hier vorbei schauen. Wir trafen sogar einen Mitarbeiter der deutsch konnte, das erste Mal überhaupt. Am Zaun war Schluss für uns und leider war kein Vorfeldbesuch möglich, da das Land ja jetzt im Krieg sei und alles top Secret und so ist, wie uns erklärt wurde.

 

Endstation Zaun !

 

Also weiter zum Kollege am Stadtrand. Hier wurden wir freundlich begrüßt. Ein Wächter in Tarnuniform sagte, wir sollten doch bitte nur auf dem Hauptweg bleiben, weil jetzt kommen die Studenten und diese Wunderknaben dürfen nicht beim lernen gestört werden.

Als Unterrichtsraum dient eine Tu 154M. 

 

 

Beschreibungstafel mit technischen Details

 

Die heissen Öfen sind links und rechts des Hauptweges mit ordentlich Abstand geparkt. Wir spazierten die ganze Reihe rauf und runter und konnten alles ganz gut fotografieren. Die Flieger sind übrigens alle auf einer nahen Wiese gelandet und dann hier abgestellt worden. Der letzte kam 1976. 

Russisches Potpourri

 

Wir waren fertig mit knipsen und wollten in die Stadt auf Hotelsuche gehen um uns von der anstrengenden Fahrt zu erholen. Da kam ein Mann auf uns zu und bot an, die Tu114 für uns aufzuschliessen. Da waren wir plötzlich wieder hellwach und liefen nochmal bis ganz hinten durch. Eine hohe Treppe hinauf in die äußerst geräumige Kabine hinein. 3 Exemplare gibt es nur noch weltweit, und hier das einzige welches auch von Innen besichtigt werden kann. Super! 

Tu 114

 

Cockpit Tu 114

 

 

Wie immer war der beste Platz in den alten Russen-Fliegern, die Glaskanzel des Navigators.

 

Das Catering wurde stets im Unterdeck frisch zubereitet und per Speiseaufzug nach Oben transportiert.

 

Diese Toilette verdient sogar die Bezeichnung „Waschraum“.

 

Für die Stewardess bitte den Knopf drücken.

 

Der Herr, ich glaube er hieß Vitali, der alles ganz ausführlich erklärte, war früher Ingineur auf Il 76 bei Ukrain Cargo International und viel für die UN in Afrika mit den Kisten Unterwegs. Meine geliebte Gattin übersetzt wie immer alles, und auch sonst ist sie immer eine sehr grosse Hilfe wenn es um Organisation und Verhandlungen geht, den leider ist mit Deutsch oder Englisch dort kein Blumentopf zu gewinnen. Als wir uns nach einiger Zeit verabschieden, gebe ich noch ein kleines Trinkgeld als Dankeschön. Jetzt wollte Vitali aber seinerseits wieder was als Anerkennung nachlegen. Wir gingen wiederum zurück ins Gelände um nun diesmal die Tu 154B von Innen zu besichtigen. Da sassen die Studenten und glotzen. Es hieß doch vorher bitte nicht stören? Alles Banane. Das ist auch so eine Besonderheit in der Ukraine, je kleiner und unwichtiger die Leute sind, desto mehr geben sie an und lassen den grossen Macker raushängen. Vitali ist dort bestimmt so ne Art Chef, weil er hat ja den Schlüsselbund für die Flieger. Er öffnete jetzt noch den Notausgang der Tuse und ich ging auf der Tragfläche spazieren. Dann noch ne Lucke im Cockpit geöffnet und runter in den Avionik Schacht geklettert. Ein tolles Programm insgesamt.

Tanz auf der Tragfläche

 

 

Mein Laufsteg

 

In der Stadt stiegen wir im vielleicht besten Hotel der Stadt ab, welches aber nicht gerade den Erwartungen eines internationalen Publikums entsprechen wird. Dort haben wir beobachtet wie ein netter älterer Herr, sich mit einem jungen ukrainischen Fräulein zum Abendessen getroffen hat. Schätzungsweise war er Amerikaner. Ist schon erstaunlich welche Strapazen manch einer auf sich nimmt, und um die halbe Welt reist um die grosse Liebe zu finden.  Am nächsten Morgen sass er alleine im Frühstücksraum und hat ratlos in sein Kaffeetasse geschaut. Der Appetit war ihm wohl  erstmal vergangen und das Date hat wohl doch nicht so seinen Ausgang genommen wie erhofft. 

In Kriviy Rih dienen noch immer schöne alte Trams des Typ KTM. Wir haben mal eine Fahrt mitgemacht und sind auf gerader Strecke fast vom Stuhl gefallen, so holperig sind die Schienen.

 

 

Zurück gings zur Schwiegermutter mit einem kleinen Abstecher nach Kirovograd. Dort ist ebenfalls eine Piloten und Fluglotsen Schmide. Beim Studentenwohnheim hat man abends einen guten Blick auf die Schrottecke des Flugplatzes. 

 

Wohnheim Block

 

Helden Denkmal

 

Line up vor dem Wohnheim

 

Yak 40

 

An 12

 

Il 76

 

Die Zeit war wieder rum, ich darf wieder zurück zur Arbeit. Wir fahren nach Kiew. Von dort gibt’s dann ein Ticket nach irgendwo sobald der Dienstplan steht. Es empfiehlt sich also schon mal ruhig auch etwas früher dazu sein wenn sich noch was ändert.

Wir buchen ein Apartment, nicht weit vom Maidan entfernt. Die Einbahnstrassen und der Stau in Kiew lassen an diesem Tag meine Lebenserwartung wieder um ein paar Tage sinken. Vom Stadtrand bis ins Zentrum fast wieder 3 Stunden Fahrzeit. Am Maidan sind jetzt ein paar große Bilder aufgebaut, die an die Opfer und an die kämpfenden Soldaten an der Front erinnern. Zeit zum Innehalten hat man allerdings nicht, kommt sofort immer einer angesprungen und will Geld. Meistens für die Soldaten im Krankenhaus, welches aber dort wohl nie ankommen wird. Leute als Comic Figuren verkleidet oder die Zigeuner mit ihren drecks Tauben, welche sie einem ungefragt auf die Schulter pflanzen. Dieser Platz hat so gut wie gar nichts mehr mit der Ukraine zu tun, sondern ist nur noch ein Auffangbecken für Säufer und Abzocker. Es ist Zeit für die nächste Revolution um in diesem Land noch einmal gründlich durchzufegen.

 

 

Gedenkstelle für die Opfer des Maidan

 

Maidan mit Kerzen

 

Ausstellung mit Fotos

 

Am folgenden Tag ist das Flugzeugmuseum in Kiew Zhuliany angesagt, ein Pflichttermin für jeden Kiew Reisenden. Durch das Eintrittsgeld wird hier auch oft frisch neu lackiert, und ich habe nun in den 5 Jahren seit dem ich nach Kiew reise jedes Jahr immer etwas neues erwischt. Leider wird auch andererseits einiges zerhackstückt. Die Yak 40 von Aerostar war Jahrelang in einer Ecke geparkt, welche man nichtmal vom Vorfeld aus erreichen konnte. Niemals habe ich sie im Gesamtstück fotografiert. Jetzt ist auch sie auch ein Opfer des Axtmann´s geworden.

 

Aerostar Yak 40

 

Auch neu seit diesem Jahr im Museum ist die Tu 134 der Ukraine Government. Diese wurde zerlegt und per Tieflader von Borispol nach Zhuliany transportiert. Ein bisschen Platz ist noch auf dem Gelände, und ich hoffe auf eine Il 62. 

Ukraine Government Tupolev Tu 134

 

Mil 14

 

Beriev 6 und Yak 38

 

Beriev 12

 

Nach 3 Wochen Abwesenheit landete ich am 8 Juni mit der LH aus München mit 1 Std Verspätung wieder in Kiew Borispil. Gewitter und Weltuntergang waren an diesem Tag in München. Aus Malpensa kommend konnte ich mit viel Glück in der Umsteigezeit  noch die AF1 vom Parkhaus P20 mit Herrn Müller zusammen spechten. 2 Minuten später und sie wäre weg gewesen.  

Mit jetzt mit 7 freien Tagen war auch nicht allzu viel anzufangen. Diesmal nur als Paar entschlossen wir uns nach Poltava und Krementschuk zu fahren. In Poltava ist das Museum der Langstreckenbomber. Auf dem Weg liegen noch ein paar Sockelflieger und Agrarflugplätze welche ich gerne aufsuchen möchte. 

In Berzean südöstlich von Kiew nehmen wir den An2 Sockelflieger mit. Er ist mit ARP410 lackiert. Man kann sogar hineinklettern. Vandalen haben schon alles brauchbare abgeschraubt was nur geht. Von aussen macht die Kiste aber noch einen ganz passablen Eindruck.

 

An 2 mit Pilotin

 

Kurz vor Poltava liegt dessen sogenannter International Airport. Man kann schon bei Google Earth erkennen das alles so abgestellt ist, das es nachmittags kein Licht hat. Trotzdem mal vorbeischauen. Wir staunen nicht schlecht, sehen wir eine Saab 340 von Sprint und eine alte bekannte Let 410 die UR-MAG. Diese haben wir letztes Jahr in Polen in Piotrkow Trybunalski mit Rollotür für Fallschirmspringer geknipst. Gerade verlassen 3 Männer in Anzügen das Gelände. Der Typ am Tor sagte das wäre der Direktor gewesen, also schnell hinterher gespurtet. Meine Frau erklärt in Landessprache unser Anliegen. Ich zeige ihm ein paar alte Flugzeug Bilder aus Innsbruck und Samedan im Display meiner Kamera. Es ist ein Hobby usw. Er versteht, möchte jedoch nicht das Bilder von seinem Platz im Internet landen, weil es ihm peinlich ist dass auf seinem Flughafen nur Schrott rumsteht. Kann man fast verstehen. Noch ein bisschen blinzeln und zwinkern von meiner Frau, und auf ist die Türe. Wir fotografieren einfach alles ab was uns vor die Linse kommt. Alles im Kasten, und dann müssen wir auch schon wieder abhauen sagt der Wächter Names Juri.

 

Magelan Let 410

 

Sprint Air Saab 340

 

Ein erstes Erfolgserlebnis auf diesem Ausflug. Jetzt geht’s in die Stadt. Übernachtet wird wie immer am besten immer in Apartments, welche man im Internet ausfindig machen kann. Leider halt nur für die ukrainisch oder russisch sprechende Bevölkerung, sonst ist es eher hoffnungslos. Ein Telefonat und alles ist geritzt. Die Preise variieren zwischen 150 Grivna und 350 Grivna. Mit dem derzeitigen Wechselkurs manchmal weniger als 10 Euro. Sogar meistens sauber ist es, kann man nichts sagen. In Poltava nicht weit vom Zentrum im 2 Stock eines typischen abgewohnten Mehrfamilien Bunkers werden wir fündig. Hier kann einen alles erwarten, stimmen die Fotos im Internet mit der tatsächlichen Bude manchmal nicht überein. Wir staunten nicht schlecht als und die Wohnung von einem mürrischen Mann im Axelhemd gezeigt wurde. Die Bude hat früher wohl als SM Studio gedient. Leoparden Tapeten an den Wänden im Flur. Das Schlafzimmer knallrot. Das Licht ist gedimmt und vermittelt einen Hauch vom Rotlichtmilieu. An der Wand eine Lederkonstruktion mit Hacken und Ringen zum Fesseln. Über der Matratze an der Decke ein grosser Spiegel. Ob es hier wohl ne versteckte Kamera gibt? Wir werden uns einig und berappen 200 Grivna für die Kammer plus 200 Grivna Kaution.

Im Auto wollte ich dann für die Nacht noch nach dem Abschleppseil suchen, aber hab's dann doch vergessen :-) 

Das Museum für Langstreckenbomber ist auf der alten Airbase in Poltava platziert, auf der schon lange keine Flugverkehr mehr stattfindet, und öffnet um 9:00 Uhr. Klar das der Deutsche schon 8:45 ungeduldig auf der Matte steht. An der Wache muss man eine Telefonnummer anrufen, erst dann passiert was. Natürlich geht keiner ran. Was jetzt... Ein Soldat sagt, man muss noch eine Stunde warten...Was...das Licht wird doch immer schlechter.. Für mich eine Katastrophe... Ich wähle die Nummer nochmal. Punkt 9:00 Uhr. Eine Frau hebt ab. Jetzt geht’s los. Wir dürfen passieren. Nach einem Kilometer durch die Kaserne kommt man zu dem Platz mit den abgestellten Fliegern. Auch hier wieder eine Vielzahl Leckerlies für Militär Freunde. An -2, Su-15U, Tu-16K, Tu 22, Tu-22M3, Tu-95M, Tu-134UBL und Tu-160! Ein freundlicher Mann begrüßt uns als seine ersten Gäste der Woche und erzählt und erzählt. Was es kostet? Hmm, später meint er. Wir nehmen im geräumigen Cockpit der Tu-95M Platz. Auch in die Tu-160 können wir rein und in der Kanzel Platz nehmen. Eintritt, Besichtigen von Innen und Fotografieren, alles einzelnen Posten. So läppert sich unsere Rechnung auf 180 Grivna. Ist in Euro nicht viel, jedoch im Vergleich zum Bericht von den Dresden Jungs von 2011 drastisch gestiegen.

 

 

Cockpit Ingineur
Blickrichtung vom Cockpit nach hinten. Dort sitzen die Ingenieure verkehrt herum in Flugrichtung. Sicherlich auch nicht der komfortabelste Arbeitsplatz.

  

Cockpit Tu-95M. In der Mitte ist ein Förderband, welches im Notfall den bewegungslosen Piloten zum Notausstieg transportiert hätte.

 

Gute Aussicht von oben aus der Tu-95M.

 

Die Tu-160 ist immer noch das Prunkstück der russischen Streitkräfte. Am 9 Mai 15 zur Parade des Sieges über Nazi Deutschland war es das erste Flugzeug welches über den Roten Platz donnerte. Hier ist´s halt schon im Museum.

 

Erstmal muss das Gerümpel aus dem Bild verschwinden,

 

und jetzt ist das Motiv (Tu-134UBL) okay. Die Nase ist für Trainingszwecke angebracht. Die genannte Tu-160 wird simuliert, ebenfalls Tu-22.

 

Nach 2 Stunden kehren wir wieder in unsere Domina Höhle zurück und holen uns unsere Kaution zurück. Was man hier wohl hätte zerstören können? 

Noch ein paar Sehenswürdigkeiten in der Stadt besichtigt und dann weiter Richtung Sudivka Agrarplatz. Dort erwarten wir einige An-2. Angekommen sehen wir 6 Anuschkas abgestellt. Die Schranke zur Zufahrtsstrasse ist offen und wir fahren hinein. Aus eigner Erfahrung und dem Bericht von skybird weis man, das hier die Wachleute auf Fotografen nicht immer besonders freundlich reagieren. Auch Wachhunde und Strassenköter können einem das Leben schwer machen. An einer An-2 schrauben 2 alte Männer herum. Sie nehmen von uns kurz Notiz aber interessieren sich nicht weiter für uns. Der Hauptwächter scheint wohl in einer der Baracken ein Nickerchen zu machen. Hier Halte ich es für besser „keine schlafenden Hunde“ zu wecken und fotografiere einfach mal ohne zu fragen drauf los. Als wir fertig waren kam dann doch noch einer aus der Hütte raus. Kein Gefluche sondern ein freundliches Händeschütteln und Hallo. Er meinte dann, ah Fotos, ich werde mal den Meister fragen ob ihr dürft. Danke, danke, sagte ich. Als er um die Ecke war, sind wir ins Auto gehüpft und haben schnell die Kurve gekratzt...

 

Sudivka

 

In Krementschuk haben wir den Flugplatz erst gar nicht besucht. Das letzte Mal vor 2 Jahren war es schon viel zu nervig, das muss man sich kein zweites Mal geben. Dort ist übrigens die Universität für Hubschrauber Piloten. Von Mil-2 bis Mil 8 wird hier alles ausgebildet was nen russichen Rotor besitzt. Studenten aus Afrika, Südamerika und Asien müssen hier erstmal ein Jahr russisch lernen um die Handbücher lesen zu können. Erst dann beginnt die wirkliche Pilotenausbildung. 

Am Kampus in der Stadt stehen auch 2 schicke Helis.  

Hier ein Bild von 2013. Mil 2 und Mil 8.

 

Strandabschnitt am Dnjepr in Krementschuk. Die Brücke wird derzeit vom Militär bewacht, das es nur wenige Brücken über den Flüss gibt.

Kremntschuk Brücke

 

Auf dem Rückweg hab ich dann dank der tolle Navigations-App OsmAnd noch einen mir neuen Landeplatz entdeckt. Einen Feldweg rein zu einer alten Keuchose . Dort stand hinter altem Traktoren Schrott eine Wilga ohne Kennzeichen abgestellt. Für „nur Airline Spotter“ bestimmt höchst uninteressant, für Ukraine Abenteurer, Jäger und Sammler jedoch ein schönes Zuckerl.

Wilga

 

Ende Juni, wieder habe ich eine Arbeitsschicht hinter mich gebracht. Heute habe ich leider keine gute Verbindung nach Kiew erwischt, da der Block in Dublin endete und ich nach München heim geschickt wurde. Also schnell auf eigene Faust das Internet nach einem günstigen Flug durchsuchen. Lufthansa scheidet gleich mal aus, rufen sie stolze 800 Euro für einen Flug auf. Jetzt liegt die Wahl zwischen Wizz Air in Memmingen und der Ukraine International aus München. Ich entscheide mich für einen Ukraine Int Flug nach Borispil für 134 Euronen. Frau und Kind warten dort schon am Flughafen auf mich. Gerade noch rechtzeitig sehen wir uns im Getümmel, bevor mich wieder einer der wilden Taxifahrer in der Ankunftshalle terrorisiert. Hier noch schnell die UT Air Ukraine in anex tour Sonderbemalung am Zaun gespechtet, welche FR24 in einer halben Stunde zur Landung verspricht.

UT Air Ukraine B 737-800W UR-UTR

 

Diesmal hatte ich Dank der guten Dienstplanung meines Arbeitgebers sogar 10 Tage am Stück frei. Gelegenheit die seit langem geplante Fahrt ans schwarze Meer zu unternehmen. Die sagenumwobene Hafenstadt Odessa lockt als erstes Ziel. Von der Hauptstadt ca 500 km entfernt, schafft man diese Strecke sogar in ganz guter Zeit da die Autobahn dorthin in einem ordentlichen Zustand ist. Da die Politiker aus Kiew auch gerne dorthin zum Feiern kommen geht sogar mal was beim Strassenbau voran. Der eigene Vorteil ist den Genossen natürlich immer das Wichtigste. Obwohl Odessa zur Hauptsaison völlig ausgebucht war haben wir ein sauberes Hotel am Stadtrand ergattert. Da die Krim seit letztem Jahr als Urlaubsort für die ukrainische Bevölkerung quasi weggefallen ist, ballen sich nun hier die Besucherströme. Den internationalen Flughafen von Odessa haben wir uns gar nicht erst angeschaut, konnten wir den landenden Traffic vom Strand gut beobachten. Ausser OS F100, LO Emb 175 und UN B735 war nichts spannendes zu sehen. Dort gibt es zwar noch ne Wartung für MIG und andere Düsenjäger, jedoch kann man sich dort einen spontanen Auftritt sicherlich getrost abschminken.

Dafür gibt’s ja immer noch viele andere Dinge zu bestaunen, seht hier.

Warme Temperaturen laden zum verweilen ein.

 

Ein Park, extra zu Ehren für den Sieg über Nazi Deutschland.

 

Schöner Sakralbau direkt hinter dem Hauptbahnhof.

 

Immer den besten Winkel nutzen, beim Sockelflieger spechten.

 

Die Stadt selbst ist ziemlich dreckig und in keiner anderen Metropole haben wir so viele Obdachlose und gestrandete Existenzen gesehen. Lediglich die Touri-flanier Meile ist sauber heraus geputzt. Hier gilt das Motto, sehen und gesehen werden. Auch hier überall Wegelagerer und Verkäufer mit Souvenirs. Im gesamten also meiner Meinung keinen längeren Aufenthalt wert. Ansonsten gefällt mir besonders dass man sein Auto fast überall abstellen kann. Ob Bürgersteig, Gehweg, oder mitten auf der Kreuzung ist Parken gar kein Problem. Zur Not mal 5 Grivna Parkgebühr pro Stunde (20 Cent). Dann kann man schnell mal in ein Geschäft rein springen, eine Sehenswürdigkeit knipsen oder auch bloss mal ein Päuschen machen.

Übers Internet hatte ich schon früher den ein oder anderen Kontakt zu zwei Spottern aus Odessa. Petr und Andrej habe ich dann in Liman auf einen kleinem Aeroklub Flugplatz nord östlich von Odessa getroffen. Das war ganz hilfreich um auch mal hinter den Zaun zu kommen. Hier war an diesem Wochenende zufällig ein kleiner Flugtag mit AN 2 und Yak 52 Rundflügen. Das Programm war ganz gut aufgestellt mit allerlei Sauf und Fressbuden, Hüpfburg und einem viel zu lauten DJ. Vom Motorensound hat man deswegen leider kaum was mitbekommen. Klar habe ich ein Rundflug Ticket für die AN 2 zum Preis von  21,50 Euro für eine viertel Stunde gekauft. Kinder kosten die Hälfte. Das habe ich dann aber nach einer halben Stunde entnervt zurück gegeben, da die Organisation völlig durcheinander war und man von den Verantwortlichen auch noch blöd angeredet wurde. Der versprochene Abflug wäre dann wohl erst in 2 Stunden gewesen. Von einem Flugplan oder Tickets durchnummerieren haben die Tanten dort auch noch nie was gehört. Leider klappt in der Ukraine nicht immer alles wie man es sich so vorstellt. Wir verweilten noch ein wenig bei ungeniessbarer Paella, welcher dann durch ein paar frisch gegrillte Hamburger entgegen gesteuert wurde. Mit ein paar tollen Bildern auf der Speicherkarte war der Besuch aber trotzdem sein Geld Wert.

 

Yak 18

 

Geier Sturzflug

 

Elite Spotter Kollegen aus Kiew, Vasily und Oleg

 

An 2 mit VIP Innen Ausstattung.  Beachten Sie den Auspuff !

 

Kunstflugzeug Sukhoi Su-31M

 

An 2 für Rundflüge

 

Hat man bald wieder genug von der Großstadt, fährt man 40 km weiter nach Kobleve. Das ist die sogenannte „Cote a sur“ des schwarzen Meeres. Hotels mit stark überzogenen Preisen sind dort zu beziehen. Im zweiten Anlauf bei booking.com ein Hotel am Strand geschossen. Das Zimmer, als de Luxe ausgezeichnet ist für europäischen Standard wieder einmal stark übertrieben. Aber egal, kostet das kalte Bier am Strand bloss 15 Grivna, ist die Welt wieder in Ordnung. Das Meerwasser ist an dieser Stelle zu unserer Überraschung noch kälter als das Bier, und so bleibt einem der Badespass hier leider verwehrt. Seltsam was diese kurze Distanz zu Odessa mit der Wasser Temperatur anstellt, konnte man dort doch unendlich plantschen. Auch der örtliche Aquapark nutz wohl zu einem Teil das kalte Meerwasser für seine Anlage. Nichts für deutsche Weicheier denke ich mir als ich zum Test meinen Fuss in das Becken halte. Den Ukrainern, welchen wohl von Geburt an der Alkohol im Blut liegt, haben da zu meinem Erstaunen ein besseres Gefühl. Eine ausgelassen Stimmung ist hier zu spüren. Die Laune geht auch nicht dadurch verloren, dass am Eingang von jedem die Tasche nach mitgebrachten Essen durchsucht wird. Es gibt doch auch Regeln, in diesem Land! So macht dieses Volk also Urlaub. Nachts dröhnen die Bässe von den zahllosen Karaoke Bars und Strand Partys. Das geht so bis fast 6 Uhr morgens. Zu diesem Zeitpunkt fangen die Bauarbeiter ihre Arbeit an und es wird gesägt und gehämmert was geht. Dazu kommt noch ein Manöver ukrainischen Marine welche ausser Sichtweite mit schweren Artillerie Geschützen eine Übung absolviert.

 

Wasserpark

 

Nach dieser unruhigen Nacht suchen wir erstmal das Weite. Ein Tagesausflug ins 70 km entfernte Mykolaiv steht auf dem heutigen Programm. Dort gibt es 3 Flugplätze welche ich mir auf meiner „Ukr.Flugplatz Karte“ markiert habe. Als erster Punkt ist der internationale Flugplatz Mykolaiv-Balovne anvisiert. Nach einer gemütlichen Stunde Fahrzeit im Sonnenaufgang kommen wir an. An der Zufahrtsstrasse wartet eine Mig 19 als Sockelflieger auf uns. Von einem einheimischen Spotter wussten wir das dort kein Traffic stattfindet, aber das macht ja nichts, sind wir an den abgestellten Heavy Metal interessiert.

Mig-19

 

Wir waren schon um 7:30 vor Ort und es war gerade Schichtwechsel vom Personal angesagt. Ein kleiner Bus spuckte jede Menge Frauen und Männer aus. Interessant wie viel Personal doch an einem Flughafen arbeitet, an dem eigentlich kein Flugverkehr stattfindet.  Mit Kind und Kegel ging´s hinterher Richtung Schranke zur Pförtnerin. Als wir pauschal Einlaufen und Einlass begehren sagte diese natürlich sofort erstmal „Njet“. Zufällig kam gerade wieder der richtige Mann vorbei, der auf uns aufmerksam wurde und uns versprach um 8:00 Uhr dürfen wir herein. Das war ja mal einfach! Die kurze Wartezeit nutze ich und begutachtet das Terminal von innen. Es ist immer wieder schade zu sehen, wie diese alten romantischen Gebäude verwahrlosen.

Aeroport Mykolaiv-Balovne mit Springbrunnen

 

Aeroport Mykolaiv-Balovne Innenansicht

 

Die Zeit war gekommen, die olle Pförtnerin kam raus zu uns ans Auto und bat uns höflich anzutreten. Unsere Passdaten wurden auf einem altem Passierschein Zettel notiert. Eine Hälfte für mich, die andere bleibt im Block. So als Besucher deklariert bekamen wir einen Arbeiter zugeteilt, welcher uns zu allen Fliegern führte. Der war schon nicht mehr so gut zu Fuß und ganz gemütlich marschierten wir Richtung der Flieger. Lediglich in die letzte Ecke des Platzes konnten wir nicht, was aber nicht weiter schlimm war, da die Flieger dort eh kein vernünftiges Licht hatten.

Die Reste der Volare Flotte mit AN 12, einige Il 76 und unzählige An-2 Rümpfe sind dort abgestellt. Im schönsten Morgenlicht knipsten wir drauf los.

An-12

 

An-12 bare metal

 

An-2 line up

 

Asia Airways Il 76 EY-604

 

Air Guinea Il-76 3X-GFK

 

Der Mann erzählte, die Arbeiter auf dem Flughafen haben schon seit 2013 keinen Lohn mehr bekommen. Es sind meist die Bewohner aus den umliegenden Dörfern und sie erscheinen mehr oder weniger freiwillig. Sie hoffen immer noch auf einen Investoren, und dass der Flughafen eines Tages mal wieder auflebt. Bis dahin wollen sie zusammen alles so gut es geht in Schuss halten. Den Menschen wird auch hier viel versprochen. Mit einem „Spritzerl“ für die guten Leute verabschiedeten wir uns und verliessen glücklich den Flughafen in Richtung Stadt für ein Frühstück. Die kurze Nacht machte sich jetzt bemerkbar. Im Zentrum verbrachten wir die Zeit an verschiedenen Stellen bis zum Nachmittag mit ausruhen und Catering.  Noch ein paar urige Strassenbahnen vom Typ KTM und Tatra gespechtet und weiter zur Airbase, dem nächsten Ziel auf dem Schlachtplan. Von weitem sieht man schon die zahlreichen Ruder der abgestellten Il 76. In der Mitte der Airbase ist auf einer öffentlichen Strasse der dort beheimatet Aeroklub zu erreichen. Wegen der politischen Lage war dieser kleine Futtenplatz nun von Soldaten bewacht, welche uns freundlich den Zutritt verwehrten. Tja, Spotter Glück, Spotter Pech. Bei den Kollegen Turbolet und Yak war es 2011 genau anders rum. Da es uns weiter sinnlos erschien bei der Werft anzuklopfen versuchten wir eine abgestellte Ilyushin 62 der Aeroflot als Notschuss über die Mauer zu erlegen. Mit leeren Händen von einem Airport wegfahren halte ich für moralisch höchst unkorrekt. Die Mauer ca 3,5 Meter hoch, war aus Ziegelsteinen gemauert und bot keinen Halt um sich in irgendeiner Weise mal hochzuziehen. Leiter hatten wir auch keine im Gepäck. Also Räuberleiter für Frau Gattin. Diese ist dann sportlich auf meine Schultern geklettert. Fotoapparat hochgereicht und Klick Klick... Man mag sich die Situation nicht umgekehrt vorstellen, sonst wäre die Frau jetzt platt und ich wohl  Witwer.

 

Sehr seltenes Kennzeichen, und es gab wohl schon schlimmere Notschüsse von Flugzeugen.

 

Die Mauer

 

Gleich ums Eck gab´s noch eine Tupolev 16 als Sockelflieger. Ein toller Ort für einen Spielplatz.

Tu-16 Sockelflieger

  

Den dritten Platz haben wir dann doch nicht mehr besucht, war es schon etwas zu spät dafür. War aber auch egal den unsere An-2 Dosis war an diesem Tag schon zur Genüge gesättigt. Wieder sind ein paar spannende und erlebnisreiche Tage vorbei und es geht langsam wieder Richtung nach Hause, Kiew und Arbeit.

 

 Kiew Luftbild

  

Mein Dienstplan für July 2015 ist in der Mitte mit gleich 8 OFF Tagen am Stück garniert. Da habe ich natürlich keine Lust alleine daheim rumzulungern, also wieder rüber in den Osten machen. Für das Ticket bei UIA in der Holzklasse muss ich mit 212 Euro diesmal etwas tiefer in die Tasche greifen.  Eingecheckt habe ich mich schon online von zu Hause. Trotzdem muss ich meinen Koffer ganz normal aufs Band bringen, ist der drop off Schalter in MUC wieder unbesetzt. Das übliche Gedrängel am Schalter, Check in und in der Kabine macht mir mittlerweile schon fast nichts mehr aus. Es ist jedes mal und überall das selbe Spiel. Diesmal in  MUC im Terminal 1 Ablug B. Umzingelt von Ukrainern, welche denken dass es schneller geht wenn man seinen Vordermann mit dem Koffertrolley in die Hacken rammt, oder der Herr Valerie welcher mit seiner typischen Herren Umhängetasche fast schon auf meinem Koffer sitzt. Geflogen wird wieder in einer für Aerosvit bestellten Embraer 190, Reg UR-EMC. Für mich ist es immer wie ein Glücksspiel, wer nun auf dem Nachbar Sitz neben mir Platz nimmt. Wird es eine fesche Ukrainerin sein, ein viel zu dicker Opa der mir keinen Raum lässt oder vielleicht wieder ein Säufer der mir sein spannendes Leben ungefragt erzählt ? Schon einmal hatte ich das Pech einen 2,5 Stunden Flug neben einem Herren zu verbringen welcher es mit der Körperpflege nicht so genau nahm. Das Parfüm „Muffti - 4ever alone“ geniesst bei der männlichen Bevölkerungsschicht in der Ukraine eine grosse Fangemeinde. Also Luftdüse auf Vollgas drehen, und dann mit Halsweh landen, eine schwere Entscheidung. Nach der Landung in Kiew Borispil springen noch während des rollens auf dem Taxiway die meisten Passagiere hektisch auf.Sie ziehen ihr Gepäck aus den Overhead Bins und drängeln nach vorne um die Türe zu stürmen. Das Kabinenpersonal hat auch schon resigniert und schaut machtlos mit zu. Die feinen Herrschaften in der Business Class schauen entsetzt was plötzlich das ganze Fussvolk und Gesindel hier in ihrem Abteil zu suchen hat. Die Leute spurten als wäre es eine Übung für eine Evakuierungsaktion. Als ich mich ebenfalls erhebe und in den Gang trete um mich einzureihen um mein Gepäck herunter zu fischen, kommt von hinten eine Frau 60+ auf mich zu. Sie versucht wohl Anschluss an ihre Gruppe zu finden welche schon ein paar Reihen weiter vorne die Kabine verlässt. Mit gesenktem Kopf wie ein Stier nimmt sie Anlauf und im Schweinsgalopp versucht sie sich an mir vorbei zu zwängen. Hat man so was schon erlebt? Instinktiv meine Tasche über die Schulter geworfen und mit einer Drehbewegung, piff paff puff, gekonnt abgewehrt! 1:0 für Deutschland! Muss ich noch erwähnen das unsere Parkposition eine Außenabstellfläche war, und sich das ganz Spiel im Bus noch einmal wiederholte? Jetzt Passkontrolle und Gepäckausgabe. Doch das ging zu meinem Erstaunen diesmal sogar einigermaßen gesittet zu. Bleibt noch hinzuzufügen das meine Sitzplatz Nachbarin ein junges schlankes Fräulein war, welche die meiste Zeit geschlummert hat. Also hatte ich auch Bewegungsfreiheit und bin wenigsten ein bisschen ausgeruht hier angekommen, herrlich! Frau Gattin wartet mit einem Strauss Blümchen auf mich am Ausgang. Ach, wie schön. Und wie bei „täglich grüsst das Murmeltier“ kommt eine Taxifahrer auf uns zu gesprungen. Also schnell raus aus dem Terminal zum Parkplatz wo das Auto für einen Euro die Stunde parkiert. Jetzt nicht bummeln, den gleich landen 3 Stück 767-300W von UIA und die Sonne lacht.  

Gelegenheit an dieser Stelle einmal den Flughafen Kiew Borispol etwas genauer zu betrachten.

Gibt es auch in der Ukraine gut organisierte Spotter Gruppen, sind deren Bilder oftmals nicht so von der Qualität wie ich sie mir vorstelle. Auch bei der Wahl der Fotoposition ist der Anspruch nicht so hoch. Deshalb habe ich viele gute Stellen selbst in den letzten Jahren ausgekundschaftet. Mit Navi und google earth heutzutage keine grosse Kunst mehr. Bloss ums Auto tut es einem manchmal etwas Leid wenn man die schlechten Strassen und Feldwege dorthin poltert. Dort ist man dann meist Mutterseelen alleine und es gibt auch keinen Stress mit Sicherheitskräften wie man es vielleicht vermuten könnte. Allerdings sollte man nicht allzu nah direkt am Maschendrahtzaun stehen, wo man von einer Patrouille gesehen wird. Bahnrichtung ist 18/36. Ausgezeichnete Vorraussetzungen also um im Sommer morgens und abends zu Lichten. Die Hauptlandebahn ist die neu renovierte Piste18L/36R. Seit im Jahre 2012 die Fussball-EM in Kiew zu Gast war und ein neues Terminal gebaut wurde, welches aber meines Wissen viel zu spät fertig wurde, sind die Entfernungen für die Flugzeuge beim rollen so kürzer. Lediglich die morgendlichen zwei Cargo Flieger UIA 737F und DHL 757 sind sichere Kandidaten für die westliche Bahn, welche sich ausserdem in einem sehr schlechten Zustand befindet.

 

Fotopunkte am Flughafen Kiew Borispil. 
Allgemein kann man sagen, die Entfernungen zu den landen Flugzeugen sind näher oder ähnlich wie in München, dh. mehr als 300 mm Objektiv braucht man nicht.

 

Karte

 

Fotopunkt 1: Anflug aus Norden in der Früh. Am Rande einer Neubausiedlung, nach belieben variierbar.

 

 

Fotopunkt 2: Abstellfläche beim Militär Gelände

 

Hier gute Möglichkeiten das abgestellte Gerümpel zu spechten. Nein, eine Tu 154 ist kein Gerümpel, sondern eine wahre Schönheit, auch wenn sie kaputt ist!

 

Fotopunkt 3: Südlich des Militärgeländes entlang des Zaunes alles mehr oder weniger befahrbar. Beste Stelle jedoch am morgen wenn die Flieger vom Süden aus landen. Hier steht man leicht erhöht und kann auch Line-up knipsen. 

 

Fotopunkt 4: Anflug aus Norden ab Nachmittag. Fussmarsch in die grosse Wiese und es sich irgendwo nach Lust und Laune gemütlich machen. Mit Leiter sogar der abfliegende Verkehr über die Mauer schiessbar.

 

Fotopunkt 5: Feuerwache

 

Hinter dem Airport Hotel vorbei zu der Feuerwache. Ratsam auch hier nur zum Zeitpunkt des Fotos am Zaun auftauchen und dann wieder unsichtbar werden. Es fühlt sich der ein oder andere sowjetisch erzogene Mitarbeiter durch den Anblick eines Fotoapparates hochgradig bedroht. Es folgt Ramba Zamba und Ende Gelände. 

 

Fotopunkt 6: Anflug 36R am Abend. Hier die am schwersten erreichbare Stelle. Über eine alte Betonplatten Strasse und einen Feldweg unter dem Anflug durch bis zu einer Waldreihe. Dort hat man schönen Schatten.  

Fotopunkt 6 aus dem Flugzeug gesehen. Auf dem Bild im Hintergrund ist die Schwelle von 36R  zu erkennen und das Logistikzentrum. Auch von dort wären tollen Aufnahmen möglich. Wie bereits erwähnt, kommt auf dieser Bahn fast nichts rein.

 

Wer Muse hat kann hier noch einen schönen Blumenstrass pflücken und sich diesen als traditionellen Kopfschmuck aufsetzten. 

 

Fotopunkt 7: 

Wie bei Punkt 6 anfangs beschrieben und weiter am Zaun entlang. Hier im Winter schöne Line up Aufnahmen zu machen. Vorsicht, nicht jeder Flieger benützt die ganze Bahnlänge. (intersection take-off).

Vielleicht besser auch das Auto stehen lassen um nicht im Matsch stecken zu bleiben.

 

Das Militär hat in KBP eine eigene Rampe im Nord Osten des Platzes. Dieses ist vom Fotopunkt 2 ganz gut einzusehen. Aktiv sind wohl meist die Antonov 26. Auch Tu 134 sind dort abgestellt, sowie aktuell jeweils 2 IL 62 und Tu 134 der Ukraine Government. Viele interessante Airlines kommen leider genau zur Mittagszeit wenn die Sonne am höchsten steht, oder auch bloss Nachts. Astra, Ellinair, Moldova, Turkmenistan, Up, Royal Jordanien, Air Arabia und Aeroflot mehrmals täglich mit dem Shukoi Jet. Trotzdem sollte man mal einen halben Tag für den Flughafen opfern, so dachte ich es mir auch bei meinem Debüt im Jahre 2011. Bis jetzt war bei meinen alljährlichen Besuchen auch immer irgendein Schmankerl mit dabei. Vielleicht findet sich ja für den ein oder anderen Junggesellen Spotter auch noch eine heiratswillige ukrainer Uschi, welche dann auch mit euch interessante Ausflüge im Land unternimmt. Kann ich jedenfalls nur wärmstens weiter empfehlen.

Schtslyvo !

 

Besuch auf dem Flughafen Tscherkassy:

 

Altes Terminal

 

Auch dieser kleine Flughafen ist im Dornröschenschlaf. Ab und zu lässt sich vielleicht mal eine kleine Charter Maschine blicken.Selbst die Fallschirmspringer am Wochenende sind nicht mehr aktiv. Zu sovjiet Zeiten brummte der Flughafen mit 100 täglichen Flügen zu allen möglichen Verbindungen in die nahe gelegenen Städtchen. Fliegen konnte man damals zu einem Spottpreis. Vom Vorjahr haben wir noch Kontakt zu Valerji, einem Fluglotsen. Schon eine Woche im Voraus hat Frau Gattin mit ihm einen Termin zur Besichtigung arrangiert. Aus alter Freundschaft und als  Gegenleistung  gibt’s ein Set Jägermeister für den Vorfeldbesuch. Seit letztem Jahr haben sich zwei neue An-2 hierher verirrt und die alten Let 410 von Universal Avia wollte ich auch mal in der Früh von der anderen Seite lichten. Durch das Terminal betreten wir das Vorfeld. Das Gebäude ist Innen in einem ganz guten Zustand. Ein Investor hat schon angekündigt hier gerne etwas aufzuziehen. Die Bürokratie bremst jedoch dieses Vorhaben bislang, und so lungern die verbleibenden Mitarbeiter weiter mit irgendwelchen Beschäftigungen herum. Ergo, kein Problem den Besuchern aus Deutschland eine halbe Stunden Zeit zu opfern.

 

Wartehalle im „neuen Terminal“

 

 

Die alten Kisten parken bzw verrotten auf dem alten Betonplatten Vorfeld. Grass, Sträucher und Blumen wachsen aus allen Ritzen und geben so eine besonders Interessante Kulisse.

 

Man kann sich kaum vorstellen was in der Ukraine sonst noch an allerlei Fahrzeugen unterwegs ist. TÜV gibt es dort meines Wissens nicht. Eine Erstanmeldung reicht für lebenslänglich. In der Stadt sieht man auch ziemlich viele alte Trolleybusse. Das sind Busse mit Stromabnehmer auf dem Dach. 

Die genaue Typenbezeichnung kann ich leider nicht sagen.

Diese Dinger haben mich so fasziniert dass ich am nächste Tag in der früh sogar mal das städtische Busdepot ansteuerte, um noch ein paar Bilder von den Dingern zu schießen. 

 

Die Schrott Ecke im Bus Depot. Saturn der Ukraine wirbt für tolle Technik.

 

Im Depot stehen die Busse bereit zum Einsatz, noch kurz vor Abfahrt wird geschraubt.

 

 

 Vorläufiges Ende, to be continued.

 

Text und Fotos: Flo Weiss