Mitte Juni ging es für einen kurzen Flug nach Beirut.


Noch nie war das Spotten für mich so aufregend wie heute, weiß man doch nicht so recht, was einen dort im "Paris des Ostens" so erwartet. Nach eingehendem Studium des Flughafens mit Google Earth, sah die Lage meines Erachtens nicht allzu bedrohlich aus und ich entschloss mich für einen Tag ein Mietauto beim Hotel zu besorgen. Also vom Pool auf dem Hoteldach verabschiedet und runter zum Schalter.

 

Mein Mietauto

 

Meine Fotostelle habe ich dank GPS und Samsung schnell gefunden, alles nur Gebüsch und kein Getto oder irgendwelche verwinkelten Gassen. Also querfeldein in Richtung Zaun. Da kam dann aus 'ner Hütte ein dicker Libanese raus, der meinte ich könne hier nicht rumstehen und Fotos machen, weil entweder die Hisbollah oder die Polizei kommt? Auf jeden Fall Stress, soviel habe ich schon kapiert.... Also bin ich dann etwas weiter gefahren und habe geparkt, 200 Meter weiter, wo der mich nicht sehen kann.


Das Hitzeflimmern war zu dieser Zeit um 16 Uhr noch recht stark, so dass das Flugzeug auch eine Fata Morgana hätte sein können. Das war aber auch keine so gute Stelle, habe ich mir dann gedacht. Gleich neben einem Wachturm... Wieder etwas weiter, die Autobahn rauf und irgendwo umgedreht...

 

 

Der Verkehr ist total wahnsinnig, Motoräder in Gegenrichtung, viel gehupt wird, in allen Melodien die man sich so vorstellen kann. Auch fehlende Gullideckel als böse Fallen können den Fahrspass recht schnell beenden. Wieder einen Parkplatz gesucht. In einer Haltebucht konnte man gut stehen, da war aber ein Soldat auf einem Dach einer alten Hütte gestanden, der hat gesagt, "da nicht parken und abhauen"... Also wieder 300 Meter weiter gefahren, ein riesengroßer Parkplatz von so einem Schwimmbad oder Strandbad. Auch da wurde ich verscheucht und bin schnell weg. Insgesamt bis hierher wenig freundliche Eindrücke. Doch die Besessenheit auf die MEA Flieger mit dem Hintergrund im Kopf haben mich noch nicht aufgeben lassen. Also nochmal alles im Kreis gefahren.


Schließlich mit den anderen Leuten auf der Autobahn am Seitenstreifen geparkt, die anderen sind zum Strand. Das Parken hier hat dort dann keinen interessiert. Am Wachsoldat vorbei spaziert mit freundlichem Gruß, einen Hügel hochgeklettert. Im Dickicht begegnet mir ein Untier. Nur ein wilder Hund, der mich ankläfft und abhaut. Jetzt bin ich oben auf dem Hügel, voll mit Kletten von oben bis unten durchs Gebüsch...

 

In der Sonne wird man gut durchgebraten... Ab 17 Uhr gehen die Flieger raus, jetzt wird's spannend. Immer schön versteckt bleiben, nur kein Aufsehen erregen, denke ich mir. Dann glaube ich, hat mich einer gesehen und nach mir gepfiffen. Sofort bin auf Tauchstation gegangen. Jetzt habe die ganze Zeit schon gewartet wann einer mit Maschinenpistole den Hang hochkommt und Stunk macht.

 

Aber nix ist passiert. Den Hügel wollte nicht mal Rambo hochklettern. Vom Hügel hat man auch einen guten Blick zum Terminal hin. Dort stehen in der Ferne noch die alten MEA und TMA 707.


Je nach Takeoff Weight rotieren die Flieger weiter vorne oder nutzen auch die komplette Bahn wie die RAM 737 mit 50 Boeing Sticker.

 

Vom Hügel kann man auch den Anflug sehen, da gäbe es noch einen anderen Hügel, von dem müsste man auch gut spechten können.

 

Hauptsächlich sind aber die für mich besten Schüsse die der vollgetankten Flieger, welche erst weit hinten hoch ziehen und schön vor der Beirut Skyline entlang fliegen.


 

Als dann alles fertig war, wollte ich auf der anderen Seite des Hügels runter, damit dieser Pfeiffer mich nicht unbedingt sieht. Auf der anderen Seite ging's steil runter zum Strand, also etwas runtergerutscht. Das war aber nur Geröll und dann habe ich mich entschlossen wieder zurück nach oben zu laufen, denn wenn man da runter rutscht, unten auf die Steine, eher nicht so toll mit gebrochenem Fuss. Das war des Schlimmste vom Tag fand ich, ein falscher Tritt und abwärts wär's gegangen.

 

Zum Schluss gab's dann noch 'nen schönen Sonnenuntergang.


Beim Volltanken des Autos wieder mal den berühmten Touri-Bonus bezahlt: 7 Liter Benzin und 3 Getränke für einen halb verdursteten Spotter für 15 US Dollar. War heute dem Tankstellenmann sein Weihnachten.


Ich war bloß froh wieder heil zum Hotel zu kommen, aber die Bilder sind für mich toll geworden.


Dieser Ausflug war also eher sehr bescheuert und stressig, stärkt aber auch das Selbstvertrauen. Wenn jetzt jemand Lust auf den fernen Libanon bekommen hat, nur zu. Wenn man sich unauffällig verhält, wird es schon klappen. Man bedenke aber, andere Leute sind schon im nahen Istanbul einkassiert worden.


Text und Bilder: Flo Weiss