Die Entwicklung der Antonov 148 begann im Jahr 2001 und war als Ersatz für die veralteten Tupolev 134 und Yakovlev 42 gedacht. Für die Planungsgrundlage verwendete man die Antonov 74, jedoch entschied man sich hier für eine Anordnung der Triebwerke unter den Flügeln. Während der Entwicklung verwendete man noch Antonov 174 als Bezeichnung, bevor man sich für den heute bekannten Namen entschied. Der Erstflug fand Ende des Jahres 2004 statt, die Zulassung erfolgte Anfang 2007. Die Serienproduktion begann erst Mitte 2009, im gleichen Jahr startete die russische Rossia mit dem Liniendienst. Die verlängerte Version mit der Bezeichnung Antonov 158 machte Mitte 2010 ihren Erstflug.

Aktuell befinden sich erst 12 Antonov 148 und eine Antonov 158 im zivilen Passagiereinsatz - und dies ausschließlich bei Fluggesellschaften aus den ehemals oder aktuell kommunistischen Ländern Ukraine, Russland, Nordkorea und Kuba.

Betreiber sind zur Zeit Rossia (6 An-148), Ukraine International (3 An-148), Polet (2 An-148), Air Koryo (1 An-148) und Cubana (1 An-158).

Aber wie komme ich darauf einen Bericht über die An-148 zu schreiben? Ganz einfach...

Dank ein paar freien Tagen, der neuen Flugverbindung der Ukraine International nach München und günstigen Flugpreisen buchte ich kurzentschlossen ein Ticket über Kiew nach Istanbul – alle Flüge geplant mit Embraer 190. Gehofft hatte ich jedoch auf den Einsatz einer Antonov 148, die sporadisch bei geringeren Passagierzahlen eingesetzt wird. Der bunte Mix der Flugzeugtypen an den ersten Tagen ließ eine leise Hoffnung nach einem Tausch auf das ersehnte Flugzeug aufkeimen.

Wenige Tage vor dem Abflug änderte man bereits das Fluggerät auf die heiß erhoffte Antonov 148. Diese Planung wurde Wirklichkeit als sich die UR-NTD am 18.06. schließlich auf den Weg nach München begab.

Pünktlich um 12:10 landete die ukrainische Schönheit auf dem Münchener Flughafen und rollte in Richtung Parkposition. Das alleine wäre noch keine Besonderheit gewesen, aber zu diesem Zeitpunkt befanden sich erstmals 2 An-148 gleichzeitig auf bayerischem Boden. Und nur Dank eines sehr gemächlichen Startvorganges der Triebwerke der Rossia konnten beide Flugzeuge auf einem Bild festgehalten werden.


Antonov-Treffen


UR-NTD beim Einrollen auf die Position 184

Auf der Position angekommen

Heckflosse


Logo der Ukraine International

 

Gut zu erkennen sind die Triebwerke, die sich weit über dem Boden befinden. Aufgrund dieser Eigenschaft sind auch Einsätze auf unbefestigten Pisten möglich, ohne die Gefahr des Ansaugens von Fremdkörpern. Die Progress Triebwerke kamen bereits bei den Yak-42 und der nur sehr kurzlebigen Tu-334 zum Einsatz.

Iwtschenko Progress D-436 Triebwerk

 

Bereits kurz nach Ankunft in München sprach ich mit der Crew, um mir den begehrten Jump Seat für meinen Flug 2 Stunden später zu sichern.

Nach dem Boarding und dem Einnehmen meines Platzes wurde ich in das Cockpit eingeladen, um den Start von dort aus mitzuerleben. Das Cockpit bietet zwar nicht viel Platz, aber dafür wurde ich mit einer einzigartigen Aussicht belohnt. Dazu bekam ich Kopfhörer zum Aufsetzen, um den Funkverkehr zu verfolgen.

Ausblick vom Jump Seat auf das Terminal 1 des Münchener Flughafens

 

Das Cockpit wirkt für ein Flugzeug ukrainischer/russischer Bauart modern, jedoch lassen kyrillische Beschriftungen und die typisch grüne Farbe einen Hauch von (N)Ostalgie zu. Und nicht zu vergessen der typisch „russische“ Duft, den man in der Passagierkabine vergebens suchte.

Anzeige am Main Flight Display (MFD) bzw Electronic Centralised Aircraft Monitor (ECAM)

Künstlicher Horizont, Main Flight Display und Fahrwerkshebel

Seitlicher Blick aus dem Cockpitfenster am Holdingpoint B4 vor dem Aufrollen auf die Startbahn 08R – mit Blick auf den Flughafen München

Voller Schub in Richtung Osten

Blick aus dem Fenster nach vorne...

...und zur Seite. Das eng am Rumpf liegende Triebwerk fast nicht zu erkennen

Schubhebel, Hebel für Speed Brakes und Flaps

Main and Primary Flight Displays, künstlicher Horizont und Standby Kompass

Overhead-Panel mit Schaltern für Triebwerksstart, Triebwerke, Feuerlöscher, Pumpen, Ventile und den Kabinendruck

 

Wieder zurückgekehrt auf meinen Platz in der Economy Class genoss ich einen kleinen Snack und den Ausblick aus dem Fenster. Auch hier sieht man das Triebwerk kaum, es sei denn, man sitzt in den ersten Reihen, was jedoch wieder die Sicht nach unten einschränkt.

Letzte Kurve beim Anflug auf die 36R

Nach 02:05 Stunden Flugzeit Landung in Kiev Borispol

 

Überrascht wurde ich beim Einrollen auf die Parkposition. Da in Kiev die Antonovs ihre eigenen Positionen haben und die beiden anderen An-148 der Flotte bereits auf den Nachbarpositionen standen, gelang mir ein Bild der gesamten Flotte.

UR-NTA, UR-NTC und UR-NTD in einem Bild vereint

Kurz vor Erreichen der Parkposition

 

Die Kabine, mit Sitzen aus grauem und blauem Leder, bietet Platz für 8 Business-Sitze und 65 Plätzen in der Economy-Class. Die Beinfreiheit ist in der Economy Class großzügig bemessen und auch die Gepäckablagen bieten reichlich Platz für Handgepäck.

Economy-Class


 

Safety Card


Die weiteren Flüge nach Istanbul und zurück über Kiev nach München fanden unspektakulär mit Embraer 190 und Boeing 737-500 statt.


Hier noch Fotos weiterer An-148, die den Flughafen MUC bereits besucht haben:



Ich kann nur hoffen, daß die Antonov 148 noch lange am Himmel zu sehen sein wird. Nicht nur aufgrund Ihres unverwechselbaren Designs, sondern besonders um der schwindenden Typenvielfalt entgegenzuwirken.


Text und Fotos: © Stefan Hartmann